Wie ist der Kontakt mit eurer Familie so?

  • Dieses Thema hat 4 Antworten und 5 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Gideon.
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#9962

Ich gehe nie ran, wenn meine Mutter versucht mich anzurufen. Es ist fast drei Monate her, seit ich das letzte Mal mit ihr gesprochen habe. Sie ruft mich mehrmals die Woche an. Ich hebe nie ab und rufe sie nie zurück. Wenn ich es tun würde, dann wird sie mit mir darüber reden wollen, warum ich nie ans Telefon gehe. Teufelskreis geschlossen. Denn dieses Gespräch will ich nicht führen, weil es nur dazu führt, dass ich mich schlecht fühle.

Es ist nicht mal so, dass ich meine Familie nicht liebe oder nicht mag. Aber ich fühle mich in ihrer Gesellschaft einfach unwohl. Ich verkrampfe mich regelrecht innerlich, werde stocksteif und verstockt. Meine Mutter erhält sogar von den Nachbarn reichlich Zuspruch („Warum sie denn so selten besuche“, wollen sie wissen). Ich denke, sie halten mich für einen Spinner und ein schlechten Sohn, weil ich mich nicht um meine arme alte Mutter kümmere. Aber woher sollen die Nachbarn schon wissen, wie ich so geworden bin, wie ich bin. Die tief verwurzelte Ursache meiner Probleme hat ihren Ursprung in der Familie.

Wie ist das bei euch?

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  • #10532
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    Ich kann dich da absolut verstehen. Hast du mal versucht, deiner Mutter zu sagen, dass es für dich leichter wird zwischendurch auch mal dran zu gehen, wenn sie dann nicht nachfragt und allgemein möglichst keinen Druck macht?

    Meine Beziehung zu meiner Familie ist gut, aber Kontakt tatsächlich auch weniger. Ich fühle mich nicht unbedingt unwohl mit meiner Familie, aber im Bezug auf meine Familie fühle ich definitiv mehr Stress als im Bezug auf meine besten Freunde. Meine Schwester ruft mich phasenweise manchmal sehr oft an und ich gehe eigentlich auch immer dran. Es ist sehr leicht mit ihr zu reden, weil sie eigentlich immer was zu sagen hat und dementsprechend alle Pausen füllt. Meine Eltern rufen mich nie an, haben früher aber oft gesagt, dass ich sie öfter anrufen soll, was ich nicht mache. Ich hab mich aber früher bemüht, sie mindestens alle paar Monate zu besuchen, hab aber keine Lust 5 Stunden im Zug eine FFP2 Maske zu tragen, daher habe ich sie ewig nicht mehr besucht.

  • #10533
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    Ich kenne das Problem mit den Anrufen auch ganz allgemein, also nicht nur bei meiner Familie. Ich kommuniziere fast nur über whatsapp und nehme keine Anrufe an. Ich mache Rückrufe, das geht, aber wenn ich angerufen werde, gehe ich meistens nicht ran. Für einige wenige Leute ist das ein richtig dickes Problem. Andere schicken mir einfach eine whatsapp mit „Ruf mich an“, was ich dann auch tue. Keine Ahnung warum es mir so wiederstrebt Anrufe anzunehmen. Vielleicht weil sie meist ungünstig kommen (Bsp. Telefonieren im Bus … will ich nicht).

  • #10543
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    Ahoi Leftluver,

    ich habe recht engen Kontakt zu meinem Bruder, was sicher auch daher kommt, dass wir gemeinsam eine Werkstatt betreiben. Mein Bruder ist das komplette Gegenteil von mir, was sich zwar einerseits gut ergänzt, es mir aber andererseits auch ermöglicht, mich ständig irgendwie hinter ihm zu verstecken. Auch gegenüber unseren Eltern funktioniert das eigentlich nur so. Mein Mom ruft meinen Bruder an und bittet ihn mir Dinge auszurichten. Das verletzt mich einerseits, kann’s aber andererseits auch verstehen. Sie weiss halt mittlerweile, dass die Nachricht so schneller ankommt. Ist wohl bei mir auch keine wirklich gesunde Konstellation (sagt zumindest meine Psychotante), aber es funktioniert recht gut.

    Gruss, Gideon

    Mann mittleren Alters mit ÄVPS, Beziehungsangst und einem Alkohol-Problem. Aber ansonsten eine wirklich gute Partie.

  • #10536
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    Hallo Leftluver, ich kenne das Problem von früher. Mittlerweile bin ich in meinen Vierzigern und jahrelanges Anrufe nicht entgegennehmen hat dazu geführt, dass mich nun tatsächlich keiner mehr anruft. Meine Mutter ein bis zwei mal im Monat, aber sie hat mittlerweile begriffen, dass es reicht mich einmal anzurufen und ich mich dann schon melde. Kontakt mit der Herkunftsfamilie ist immer schwer. Denn auch wenn das viele Betroffene auch im Erwachsenenalter nicht wahrhaben wollen: Die Familie spielt beim Entstehen einer Persönlichkeitsstörung immer eine zentrale Rolle. Dabei geht es gar nicht um Schuld, nur um Ursache. Ich verstehe daher wirklich gut, was Du meinst! Lg, trixi

     

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

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