Vorstellung & Wunsch nach Konfrontationstherapie

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#14739

Hallo zusammen

Dies ist mein erster Eintrag in dieser Community und ich nehme dies auch gleich zum Anlass, um mich vorzustellen. 🙂
Ich bin 26 Jahre alt, aus der Schweiz und leide seit ca. 8 Jahren an depressiven Phasen. Davor hätte ich mich als extrem fröhlichen, extrovertierten und lebenslustigen Menschen beschrieben. Mit nahen Menschen bin ich immer noch so, aber sobald ich andere nicht einschätzen kann, verschwindet diese Seite von mir komplett und ich werde still, angepasst und unsicher. Seit dem Beginn der Depressionen bin ich fast kontinuierlich in ambulanter Therapie gewesen, konnte aber glücklicherweise trotz Zusammenbrüchen und schwierigen Phasen ein Studium abschliessen und auch arbeiten. Letztes Jahr bin ich 3 Monate auf einer offenen Station für Persönlichkeitsstörungen gewesen. Dort wurde mir auch die Diagnose „kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und emotional-instabilen Anteilen“ gestellt. Seit ein paar Wochen bin ich neu auch in einer ambulanten Gruppentherapie.

Ich erkenne mich sehr stark in meiner Diagnose wieder. Ich habe zwar ein paar enge Freunde und kann relativ einfach neue Leute kennenlernen, bringe aber keine tiefen Freundschaften zustande. Ich war in der Sekundarschule in einer grossen Clique und fühlte mich da sehr wohl. Als ich ans Gymnasium wechselte, verlor ich diesen Freundeskreis, was mich extrem belastete. Noch heute trauere ich dieser Zeit nach und beneide alle, die sich regelmässig mit ihrem Freundeskreis treffen. Selbst habe ich viel zu stark Angst vor Ablehnung. Ich bin z. B. in einem Fussballverein, doch auch da würde ich mich nie trauen, privat mit den Spielerinnen etwas unternehmen zu wollen. Die haben ja alle schon ihre Freunde… Da ich mich so sehr nach Nähe sehne und mich oft ungesehen und nicht verbunden fühle, suche ich eher Zuflucht in Beziehungen. Das fällt mir „einfacher“ als Freundschaften aufzubauen. Mir ist aber klar, dass das kein gesunder Weg ist, ich möchte nicht von einem Partner abhängig sein.
So, soviel vorerst zu mir persönlich 🙂

Was ich eigentlich sagen möchte: Die stationäre Therapie war zwar sehr anstrengend, aber schlussendlich genau das, was mir bis jetzt am besten geholfen hat: mich mit den zwischenmenschlichen Schwierigkeiten zu befassen und wirklich damit konfrontiert zu werden. Auch die Rückmeldungen zu meinem Verhalten waren hilfreich. Mein grösster Wunsch wäre es, wenn meine nächste Therapeutin (ich bin momentan wegen neuem Job und Wohnort wieder auf der Suche) mir konkrete Aufgaben geben würde, damit ich meine soziale Angst zu überwinden versuche. Mein bisheriger Therapeut hat mir gesagt, dass ich die Verantwortung halt sehr gerne abgebe und er mich nicht einfach an der Hand nehmen und mir alles vorgeben kann. Das ist mir schon auch klar. Eine gute Freundin von mir hat von ihrem (mittlerweile pensionierten) Therapeuten jedoch genau solche „Aufgaben“ bekommen, die ihr sehr geholfen haben. Ich verstehe nicht, wieso ich nicht auch davon profitieren darf… Ich bin extrem frustriert, denn ich habe jetzt schon einige Jahre in Gesprächstherapie investiert, weiss jetzt, was das Problem ist, aber ich kann mich nicht alleine dazu überwinden, konkret etwas dagegen zu unternehmen. Ich fühle mich sehr stark auf mich alleine gestellt und habe das Gefühl, ich muss auf Selbsthilfebücher zurückgreifen, wenn Therapeuten mir nicht helfen möchten. Ich weiss, das klingt jetzt sehr trotzig. 🙁

Wie sind eure Erfahrungen mit ambulanter Therapie und insbesondere Konfrontationstherapie?
Findet ihr konkrete Aufgaben sinnvoll oder verlässt man sich dann zu sehr auf den Therapeuten?

Würde mich sehr auf eure Antworten freuen <3

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  • #14740

    Hallo Zara
    Danke, dass Du deine Geschichte und deine Erfahrungen geteilt hast.
    Tut mir leid, dass Du so lange keine Reaktion bekommen hast. Seit unsere Trixi nicht mehr jeden Tag dran ist, hat die Community leider stark nachgelassen.
    Vermute, dass liegt daran, dass viele hier ÄVPS haben und man uns tatsächlich immer wieder gut zureden muss, damit wir uns aktiv beteiligen.
    Ich habe keine guten Erfahrungen mit Konfrontationstherapie gemacht. Auch keine schlechten. Es bringt mir einfach nichts. Vermute, bei einer Sozialen Phobie ist sowas durchaus erfolgsversprechend. Aber wie willst Du jemanden mit der Angst vor nahen oder engen Beziehungen konfrontieren?
    Ich mache aktuell mit meiner ambulanten Therapeutin die Hausaufgaben-Methode. Ich lege jede Woche mit ihr zusammen fest, welche konkreten Schritte ich in der nächsten Woche unternehmen will. Sowas wie eine Kollegin einladen oder meiner Chefin mal sagen, dass ich keine Überstunden mehr mache.
    Das hilft irgendwie, aber irgendwie auch wieder nicht.
    Manchmal frage ich mich, ob es überhaupt irgendwas gibt, was wirklich hilft.
    Aber es tut gut, von anderen Menschen zu lesen, dass sie sich mit ganz ähnlichen Sachen abplagen wie ich. Manchmal ist geteiltes Leid eben doch halbes Leid.

  • #14743

    Hey Zara
    Mit Konfrontationstherapie habe ich leider auch keine Erfahrung.
    Ich bin jedoch psychotherapie- und auch Klinik erfahren.
    Beides hat mir persönlich sehr geholfen. In der Klinik habe ich sogar einige Freunde gefunden, die mich bis heute begleiten und unterstützen.
    Der Kontakt mit anderen Betroffenen ist das, was mich persönlich am weitesten gebracht hat. Zusammen geht so vieles leichter.
    Liebe Grüsse,
    Takeshi

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