Therapieabbruch

  • Dieses Thema hat 4 Antworten und 4 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Enola.
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#9942

Hallo ihr Lieben,

habt ihr auch schonmal Therapien abgebrochen obwohl ihr das eigentlich nicht wolltet oder es im nachhinein bereut?

Bekanntlich haben Menschen mit Ävps große Schwierigkeiten dabei, tragende Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.

Leider trifft das bei mir auch auf therapeutische Beziehungen zu.

Ich hatte nach langer Suche endlich das Glück, eine nette Therapeutin zu finden, welche mich auch recht schnell aufnehmen konnte.

Sie hat als erste und ziemlich direkt meine Ävps erkannt und diagnostiziert. An anderen stellen wurde ich nie ernst genommen mit meiner Vermutung eine PS zu haben. Sie kam ganz von selbst darauf. Also war ich sehr froh endlich bei jemandem anzukommen der mich und meine Schwierigkeiten scheinbar wirklich sieht und die Therapie starten zu können.

Die Therapeutin wies mehrmals daraufhin, dass Störungen in zwischenmenschlichen Beziehungen sich auch in der Therapie zeigen können. Und bat mich immerwieder, dass falls ich mal den Impuls hätte nicht aufzutauchen, ich unbedingt trotzdem kommen bzw. mich melden soll.

Ich antwortete voller Überzeugung: „Natürlich, ich will diese Therapie ja auch unbedingt“  und das meinte ich auch so! Das sie das Thema immerwieder ansprach, verletze mich heimlich auch ein bisschen. Ich verstand es zwar aber ich dachte, dass wieder nicht gesehen wird,  wie unbedingt ich an mir arbeiten möchte und das mir das nicht zugetraut wird.

Naja es schlich sich schnell ein, das ich mich malwieder stabiler zeigte als ich eigentlich war. Ich flunkerte wenn es darum Ging ob ich Dinge umsetzen konnte, die wir besprochen hatten. Da ich selbst ihr gegenüber große Schamgefühle hatte, dafür das ich auch kleinste Aufgaben nicht erledigt kriege. (Bin schon länger auch schwer depressiv)

Zu der Zeit ging so garnichts und ich bekam dank meinem Vermeidungsverhalten große Probleme mit dem Jobcenter und der Krankenkasse. Sodass ich dann ohne beides dastand. Ohne Einnahmen und ohne Krankenversicherung. Dann traute ich mich auch nicht mehr zu der Therapeutin. Ich war wieder wie gelähmt, fühlte mich ohnmächtig, hatte keine Worte und versteckte mich vor allem und jedem. Alles war zuviel. Obwohl sie mich immerwieder anrief und mir auf die Mailbox sprach, ich solle mich bitte melden, tat ich es nicht. Und ich hasste mich selbst dafür und bereue es auch immernoch. Das ganze ist schon über ein halbes Jahr her.

Ich hasse es mir ständig so im Weg zu stehen und mir alles zu verbauen. Und doch komme ich immerwieder an solche Punkte.

Sorry für den langen Text.

Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht?

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  • #10402

    Bei einem Therapeuten ist mir das noch nicht passiert, ich bin aber auch erst seit einem Dreivierteljahr in Therapie. Aber bei Ärzten, besonders beim Zahnarzt, kenne ich das auch. Ich hatte ein regelrechtes Zahnarzthopping. Mir waren Zahnarztbesuche unangenehm (wer mag die schon?!), deshalb habe ich es vermieden und immer wieder aufgeschoben. Dann war plötzlich wieder ein Jahr um und ich hatte Angst davor, wieder hinzugehen und gesagt zu bekommen, ich hätte eher kommen sollen. Also habe ich es weiter aufgeschoben. Bis es dann nicht mehr ging, weil ich Zahnschmerzen bekam. Statt wieder hinzugehen, habe ich mir dann einen neuen Zahnarzt gesucht. Vorher habe ich mir aber immer das Team angeschaut, nicht dass ich da jemanden kenne. Dann wäre ich nicht hingegangen. Das war nicht nur einmal so, sondern zieht sich seit meiner Jugendzeit.

    Jetzt ist mir dieses Vermeidungsverhalten durch die Diagnose und die Therapie richtig bewusst geworden und ich möchte daran arbeiten.  Ich habe seit Januar eine neue Zahnärztin, gegenüber meiner Schule und beide Ärztinnen in der Praxis hatten bzw. haben ihre Kinder in unserer Schule. Das war für mich ein großer Schritt, aber ich bin jetzt noch stolz auf mich, dass ich es geschafft habe.

    Ernalotte, was meinst du, wie würde die Therapeutin reagieren, wenn du dich jetzt melden würdest? Meinst du nicht, dass sie stolz auf dich wäre, auch wenn es schon lange her wäre?

    Einen Telefonanruf würde ich mir an deiner Stelle wahrscheinlich auch nicht zutrauen. Aber ich könnte mir eine Mail vorstellen, in der du genau das schilderst, was du hier geschrieben hast. Ich glaube, das würde auch dafür sorgen, dass es dir besser geht. Sie weiß ja, dass es dir sehr schwer fällt. Wenn nicht sie, wer dann?

  • #10404

    Ich habe auffällig ähnliche Erfahrungen.

    Von meinem letzten Therapeut habe ich mich vor einem Monat verabschiedet, nachdem ich feststellen musste, dass ich während den Sitzungen bei ihm eigentlich nur noch „flunkere“. Es ist im letzten Jahr öfters mal vorgekommen, dass ich mit Themen in die Sitzung gekommen bin, auf die er schlicht nicht eingegangen ist. Ich hatte das ganz starke Gefühl, dass ich ihn überhaupt nicht mehr erreiche (oder schlimmer: Ihn nie wirklich erreicht habe!).

    Neu an diesem Therapieabbruch war, dass ich nicht einfach nicht mehr zu den Sitzungen erschienen bin. So habe ich das nämlich leider bei rund einem Dutzend Therapeuten früher gemacht. Ich werte es daher als persönlichen Fortschritt, dass ich es immerhin hingekriegt habe, die Therapie „offiziell“ zu beenden.

    Mit ist das Thema auch eigentlich recht unangenehm. Häufige Wechsel gelten leider bei vielen Fachpersonen als starker Indikator für eine Borderline-Störung, was bei mir definitiv nicht zutrifft. Daher Hut ab vor Deiner Therapeutin: Immerhin wusste sie, dass dies auch bei ÄvPS-Betroffenen ein grosses Problem sein kann.

    Aktuell versuche ich mich also selber davon zu überzeugen, dass an einem Therapieabbruch nicht immer und ausschliesslich der Patient „schuld“ ist. Manchmal passt es einfach nicht und damit meine ich nicht mal Unstimmigkeiten. Meinen letzten Psychiater mochte ich als Mensch sehr. Wohl so sehr, dass ich mich ab einem gewissen Punkt geschämt habe, ihm mein „wahres Ich“ zu zeigen. Man könnte ja aber durchaus auch so argumentieren, dass ein guter Therapeut so etwas merken müsste, oder?

    Ich glaube daher, dass keine Therapie auf Biegen und Brechen weitergeführt werden muss. Manchmal ist es tatsächlich besser, sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen.

    Himmel… es wird schon wieder umfangreich hier. Ja, ich könnte mal wieder Seiten füllen! 🙄

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

  • #10406

    @ susan  Ja dieses Ärztehopping und ewig lange aufschieben kenne ich auch sehr gut. Mit Selbstführsorge hab ich es eh nicht so.

    In Bezug auf Therapeuten finde ich das aber leider besonders doof. Denn wie die meisten hier wissen ist es ja sehr schwierig einen Platz bei jemand gutem zu bekommen, wo auch noch die Chemie stimmt. Und die Therapie baut ja auf der langfristigen Beziehung auf,  weshalb man beim Therapeutenhopping nicht wirklich auf baldige Fortschritte hoffen kann. Während es ja beim Zahnarzt z.B. fast egal is, wer mich behandelt.

    Darüber ob ich mich nochmal bei der Therapeutin melde grübel ich natürlich jetzt schon lange. Der Tip mit der Mail würde es vielleicht wirklich einfacher machen. Jedoch sagt mir die Störung natürlich,  dass ich da jetzt auch nicht mehr ankommen muss. Sie wird sicher wieder einen vollen Kalender und ne Warteliste haben. Warum sollte sie sich dann nochmal mit mir beschäftigen, wenn sie sich nicht sicher sein kann, ob ich den Kontakt nicht wieder abbreche. Außerdem wird sie das meiste was ich ihr erzählt hab sicher eh schon vergessen haben und man müsste von neu beginnen….. Ach ich weiß nicht. Ich könnte mich höchstens bei ihr entschuldigen aber würde keine weiterbehandlung erwarten.



    @trixi
      Gut zu wissen, dass ich nicht die einzige mit diesem Problem bin. Und Respekt für dich, das du die Therapie offiziell beendet hast !

    Was mich so belastet ist, dass dieser Abbruch ja keine wirklich bewusste Entscheidung war. Ich komme immerwieder plötzlich an so Punkte wo ich mich so Ohnmächtig fühle, keine Worte mehr finde um mit irgendjemandem zu sprechen und wo ich mich nur noch verstecken und dissozieren kann. Obwohl ich wohl gerade dann am meisten Hilfe bräuchte, kann ich irgendwie nicht anders als mich so sehr zurück zu ziehen. Mit diesem Verhalten hab ich mir schon sehr vieles kaputt gemacht nicht nur Therapeutische Beziehungen,Freundschaften, Liebschaften auch Berufliches vorrankommen. Menschen und Dinge die mir eigentlich unheimlich wichtig waren und die mein Leben verbessern könnten.

    Deshalb kann ich mir selbst heute kaum bis garnicht mehr vertrauen.Und ich hab kaum noch Kraft irgendwas neu anzugehen.

    Waren deine vielen Therapieabbrüche immer bewusste Entscheidungen, weil irgendwas nicht gepasst hat ? Oder kommt dir bekannt vor was ich dazu geschrieben habe?

    Wenn ich das alles so beschreibe, komme ich mir vor wie ein Jammerlappen, der einfach nichts dafür tut sein Leben endlich in den Griff zu bekommen. Doch diese ständigen Schuld und Schamgefühle blockieren mich immer mehr. Und ich dreh mich im Kreis.

  • #10408
    Veröffentlicht von: @ susan

    Dann war plötzlich wieder ein Jahr um und ich hatte Angst davor, wieder hinzugehen und gesagt zu bekommen, ich hätte eher kommen sollen. Also habe ich es weiter aufgeschoben.

    Das kommt mir sehr bekannt vor. Zuletzt hat mich heute morgen mein Hausarzt gefragt: „Warum sind sie nicht früher gekommen?“  … eigentlich wäre die ehrliche Antwort gewesen: „Weil sie mich dann fragen, warum ich nicht früher gekommen bin.“

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