Soziale Isolation – Wie viele soziale Kontakte habt ihr?

  • Dieses Thema hat 6 Antworten und 7 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Gideon.
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Hiho, ich lese gerade das Buch „Einsamkeit“ von Manfred Spitzer. Wie der Titel ja schon vermuten lässt, geht es darin um soziale Isolation und deren Folgen. Ich bin entsetzt erstaunt darüber, ab wann man wissenschaftlich als sozial isoliert angesehen wird. Das gibt mir schwer zu denken, weil ich mich damit wohl als hochgefährdeten Risikofall ansehen muss.

Im Buch findet sich folgende Wegleitung um sein soziales Umfeld zu erfassen. Man unterscheidet nach:

  1. Engster Freundeskreis (gemäss Definition kann und würde man sie um Hilfe bitten, wenn man Hilfe braucht)
  2. Kreis der (guten) Freunde (gemäss Definition würde deren Tod uns sehr nahegehen)
  3. Bekanntenkreis

Durchschnittlich hat man, so die Wissenschaft

  1. eine Handvoll engster Freunde
  2. gute Freunde 12 bis 15
  3. Bekannte etwa 150

… ob da zwischen eigener Familie (blutsverwandt) und anderen unterschieden wird, ist mir nicht klar.

Mich würde interessieren, auf wie viele andere ängstlich-vermeidende Menschen so kommen!

Grüsse, Peanut

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  • #10362
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    Ich bin vom Durchschnitt auch viele Meilen entfernt. Ich habe meine Eltern und meine Schwester. Engste Freunde habe ich gar nicht. Gute Freunde eigentlich auch nicht, wobei ich aber mit der Definition meine Probleme habe, denn auch der Tod von Nachbarn, die ich gerade mal grüsse, geht mir nahe, weil ich dann auch wieder über mich und die engste Familie nachdenke. Wie würde es mir dann gehen, wenn das passieren würde?

    Bei Bekannten sind es ausser den Kollegen auch nicht viele, vielleicht 15.

    Insofern denke ich schon länger über das Thema Einsamkeit nach. Ich sehe mich da nicht nur gefährdet.

    Aus diesem Grund fühle ich mich hier so wohl, weil ich hier Menschen gefunden habe, denen es ähnlich geht.

  • #10367
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    Bei mir ist das auch nicht viel anders, ich komme auf viel weniger.

    Ich habe schon gestaunt, als ich das erste Mal von Dunbars Nummer gelesen habe: 150 Bekannte? Vielleicht wenn ich alle Menschen die ich jemals getroffen habe zusammenzähle.

    Ich würde mich auch als sozial isoliert bezeichnen und ich mache mir sehr oft Sorgen deswegen.

  • #10368
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    Wenn ich meine Familie mal ausklammere, habe ich zum 1. Punkt gerade mal 1 Person. Der 2.Punkt funktioniert nach deren Version nicht wirklich bei mir, da ich sehr mitfühlend bin und es mir allgemein nahe geht, auch wenn ich die Person nicht als meinen guten Freund betrachtet habe.

    Beim Bekanntenkreis unterscheide ich mich wahrscheinlich von den meisten hier, da ich viele Bekannte habe weil ich in einer Religionsgemeinschaft eingebunden bin.

    Was jedoch zeitweise nichts an Gefühlen der Einsamkeit ändert. Man kann hunderte Menschen kennen und dennoch einsam sein.

  • #10369
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    Enge Freunde habe ich keine. Ich bin in meiner Familie noch recht eingebunden, aber könnte nicht behaupten, dass die mir besonders nahe stehen.

    Auch mir geht der Tod von Menschen nahe. Aber ich empfinde da also schon einen Unterschied zwischen „nahe gehen“ und „nahe gehen“. Naturkatastrophen? Kriegsopfer? Hungertote? Covid-Opfer? -> betroffen, beschäftigt mich, geht mir nahe. Mein Nachbar, den ich – ausser von gelegentlichen Treffen im Treppenhaus – nicht kannte? -> sehr betroffen, habe lange Zeit immer wieder daran gedacht, er war noch relativ jung und ist wohl an einer Krankheit gestorben, ging mir nahe. Mein Bruder, der starb als ich acht war -> das ging mir RICHTIG nahe, geht es mir bis heute. An seinem Todestag habe ich auch nach so vielen Jahren immer noch jedes mal ein Tief. Damals hat es mir während zwei Jahren jeden Tag das Herz zerrissen.

    Also bitte überdenkt Eure Behauptungen, dass Euch der Tod anderer Menschen immer nahe geht. Mag sein, dass Peanut (oder der Ursprungsautor?) das nicht präzise genug formuliert hat, aber Ihr merkt schon, dass es da Unterschiede gibt? Und ich glaube nicht, dass damit („nahe gehen“) gemeint ist, dass es uns betroffen macht, sondern dass es uns im Innersten unseres Seins trifft und zutiefst erschüttert.

    Ich habe eine selbstunsichere PS mit emotional instabilen Mustern. Sprich, mein Leben ist einsam und chaotisch.

  • #10377
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    Kann es sein, dass viele von uns die Tendenz haben, sich auf „Formulierungen“ zu konzentrieren? Ich finde es spannend, dass es offenbar näher liegt, die Formulierung „gemäß Definition würde deren Tod uns sehr nahegehen“ zu hinterfragen und zu analysieren, anstatt einfach eine Zahl zu nennen. Bei mir läuft’s gerade genau gleich: Wann ist jemand ein guter Freund? Ab wann spricht man von einem Bekannten? Ist mein Arzt ein Bekannter? Und so weiter… Schlussendlich ist nur eines klar: Nein, auch ich komme nicht auf das angeblich übliche Mass an Sozialkontakten. Shame on me.

     

    Mann mittleren Alters mit ÄVPS, Beziehungsangst und einem Alkohol-Problem. Aber ansonsten eine wirklich gute Partie.

  • #10371
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    In Kategorie Eins gibt es eigentlich nur meinen Partner.

    Kategorie Zwei interpretiere ich ähnlich wie Roxie: Also Menschen, deren Tod für mich einen persönlichen Verlust bedeuten würden oder Menschen um die ich trauere (und nicht „nur“ traurig bin). Und das ist schwierig, weil man kann nicht etwas verlieren, was man nie richtig hatte. So gesehen gibt es in dieser Kategorie niemanden bei mir.

    Mir fehlt da ein Kreis von Menschen. Menschen, die mir etwas bedeuten und die mir wichtig sind… und mit denen ich kaum bis gar keinen Kontakt habe. Hier komme ich auch etwa auf 15.

    Bekannte? Leute die ich grüsse, wenn ich sie treffe? Uff… ich wohne in einer Kleinstadt und ich treffe selten mal auf jemanden, den ich persönlich grüsse. Klar sind hier viele Menschen die ich kenne. Ich weiss wer sie sind und wo sie arbeiten, kenne ihre Namen, schaue weg oder wechsle die Strassenseite, wenn ich sie sehe.

    Die Frage ist interessant, aber ganz schön hart sie zu beantworten!

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

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