Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge

  • Dieses Thema hat 6 Antworten und 5 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Helena.
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#9960

Hallo, ich bin ganz neu hier und bin jetzt schon sehr dankbar für das Forum. Ich konnte schon so viel Lesen was mir geholfen hat, mich mehr zu verstehen und auch wiederzuerkennen. Ich fühle mich mit meiner Problematik jetzt nicht mehr ganz so alleine.

Ich bin momentan in therapeutischer Behandlung und da ging es gestern um die Frage, wie kann ich mich mit meiner Störung akzeptieren und selbst fürsorglich sein, statt abwerten?

Ich habe häufig das Problem, dass ich sehr hohe Massstäbe an mich habe und dabei vergesse, dass ich andere Herausforderungen habe als Menschen, die nicht mit ÄvPS zu tun haben. Wenn ich Sachen für mich schaffe, fällt es mir schwer das anzunehmen. Schnell kommen die Kritiker, die das abtun und mir sagen:“ Das ist doch nichts worauf du stolz sein kannst, andere Leute haben damit nicht mal ein Problem.“ Darum gerate ich schnell in ein 0 oder 100% denken. Es ist nur gut wenn ich 100%, am besten noch 120% meiner To-Do-Liste schaffe, 50% reichen nicht aus. Ich bin also eigentlich immer in einer Selbstabwertung und dem Gefühl nicht genug zu sein und zu leisten.

Ein Beispiel um das etwas zu verdeutlichen: Ich war über den Jahreswechsel in einer psychosomatischen Klinik und mit dem Setting dort ging es mir nach einer Weile wirklich besser. Ich konnte Kontakte knüpfen und meine sozialen Ängste Stück für Stück etwas mehr abbauen. Hier zu Hause ist es nun eher schwierig. Ich habe viele Sachen auf der Liste, die ich zu Haus beibehalten wollte und ich schaffe es nicht. Und wenn ich einen Teil davon schaffe wie zum Beispiel regelmässig rausgehen, zählts halt nicht, weil ich 20 andere Dinge nicht gemacht hab (Mediation, Achtsamkeitsübungen, Spiegelkonfrontation, Sachbücher lesen etc….).

Wie schafft ihr es, das wertzuschätzen was ihr im Alltag schafft? Und habt ihr es geschafft für euch eine Akzeptanz und Fürsorge zu erschaffen? Wenn ja, wie? 🙂

Ich hoffe, ich habe mich einigermassen verständlich ausgedrückt (:

Liebe Grüsse

klangfarbe

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  • #10525

    Hallo, Klangfarbe,

    herzlich willkommen im Forum. Bei mir gibt es einige Parallelen. Ich war bis Oktober letzten Jahres in einer psychosomatischen Klinik und auch ich hatte einige gute Vorsätze. Auch ich konnte nicht alle einhalten. Das Problem ist, dass man sich dann schnell überfordert. Du kannst nicht alles einhalten, das funktioniert im Alltag nicht. Also setz dich nicht unter Druck. Ich habe mir einen Plan gemacht. Was ich (fast) jeden Tag geschafft habe, ist das Spazierengehen /Walken. Danach ging es mir immer besser. Entspannung habe ich nur zwei Mal pro Woche aufgeschrieben. Das konnte ich schaffen. Und wenn ich es dann drei Mal gemacht habe, habe ich mich über meine Über-Plan-Erfüllung gefreut. Sachbücher lesen konnte ich sowieso nicht, das fällt mir heute noch schwer.

    In der Klinik klappte es bei mir auch mit den Kontakten. Jetzt in der Corona-Zeit war das eigentlich nicht möglich, ich konnte da meine Vorsätze nicht einhalten. Das Einzige, was ich gemacht habe, ist das Schreiben hier im Forum und das hat mir enorm gut getan. Jetzt wo es wieder alles gelockert wird, überlege ich, was ich jetzt umsetzen kann, damit ich mehr soziale Kontakte habe. Aber das ist schwer, die ersten Schritte zu wagen.

    Alles was bei mir gut klappt, ist selbstverständlich und ich bemerke es kaum, wenn aber etwas nicht zu 100% klappt, wirkt es für mich wie eine absolute Niederlage. Auch dabei bist du also nicht allein. Ich merke aber, dass dieses langsam besser wird. Aber es braucht Zeit, viel Zeit. Nimm sie dir und setze dich nicht unter Druck. Gute Vorsätze sind schön, aber es ist keine Katastrophe oder Niederlage, wenn du nicht alles umsetzen kannst.

    Susan

  • #10526

    Hallo Klangfarbe

    Mir hilft aktuell mein „Inneres Kind“. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, woher ich es habe: Aus der Therapie, einem Buch, dem Internet? Wahrscheinlich von allem etwas. Vielleicht habe ich es auch irgendwann vor ein paar Jahren in alten Fotos gefunden.

    Jedenfalls ist es seither bei mir und es hilft mir sehr. Es klingt vielleicht ein bisschen freaky, aber wenn ich allein zuhause bin, dann rede ich sogar laut mit meinem inneren Kind. Und weil mein inneres Kind nicht ICH BIN, sondern eben das Kind, das ich mal war, fällt es mir viel einfacher NETT zu sein. Während ich mich selber nur kritisiere und oft genug runterputze, kann ich das Kind trösten und ihm Mut machen.

    Es ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Ich erinnere mich, dass, als ich das erste Mal mit dem Ansatz in Berührung gekommen bin, ich nicht viel damit anfangen konnte. Mittlerweile kann ich’s kaum noch wegdenken.

    Trixi

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

  • #10528

    Gerade beschäftige ich mich sehr mit den inneren Anteilen. Wir wurden die Bücher von Jochen Peichl nahegelegt und in der Therapie haben wir einen Test dazu gemacht, welche Kritiker besonders laut sind..woher die kommen und das letztendlich immer eine beschützende Funktion dahinter steht. Auch was rein biologisch bei solchen Mustern passiert.

     

    Das hilft mir auf jedenfall mich mehr zu verstehen. Aber dann in Momenten, wo ich nicht wie ich oder andere es möchten, funktioniere ist es noch sehr, sehr schwer dann mit Selbstfürsorge und Verständnis zu reagieren.

     

     

    @Hörnchen

    ich hab mir auch schon sooft Pläne gemacht. Das klappt dann ein paar Tage und dann irgendwie nicht mehr. Aber wahrscheinlich waren die Pläne auch einfach zu extrem. Ich hatte dann halt jeden Tag Entspannung und rausgehen eingeplant. Und Essen (damit hab ich auch ziemliche Probleme) musste dann natürlich auch klappen – und wenn nicht, dann ging die Selbstabwertung los und die Gedanken „ich schaffs eh nicht.“

    Ich muss wirklich lernen, dass 50% auch ausreichen…

  • #10530

    Hi Klangfarbe, gibt es ein bestimmtes Buch von Jochen Peichl, welches Du empfehlen kannst? Die Auswahl ist ziemlich gross:

    https://www.orellfuessli.ch/autor/Jochen+Peichl-3221595/

    Und die meisten davon klingen recht interessant!

    Mann mittleren Alters mit ÄVPS, Beziehungsangst und einem Alkohol-Problem. Aber ansonsten eine wirklich gute Partie.

  • #10531

    Ich habe mit dem „Jedes ich ist viele Teile“ angefangen und bin gerade bei „Rote Karte für den inneren Kritiker“. Ich finde beide echt gut und aufschlussreich 🙂

  • #10534

    Habe mir die Bücher auch angesehen und mir mal „Jedes ich ist viele Teile“ bestellt. Klingt ansprechend. Danke für den Tipp!

     

    Â

     

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