Kontaktabbruch

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#9899

Hallo alle zusammen,

ich habe einen Partner der ÄvPS (noch nicht diagnostiziert ) zu haben scheint. Wir hatten einen schönen Anfang unserer Verbindung, die über 3 Monate ging mit on/ Off einer schon alles vermeidete was uns näher brachte. Arbeit war wichtiger, er müsse Wäsche waschen und ähnliche Aussagen.

Wir hatten dann noch per WhatsApp einige Zeit Kontakt bis nichts mehr von ihm kam. Ich kenne ihn seit über 30 Jahren. Ich fragte was los sei aber nichts. Ich habe dann noch überreagiert und ihn per WhatsApp beschimpft. Im April war er im Krankenhaus, das schrieb er mir noch. Ich fragte was er hätte, keine Reaktion. Seit dem ist Funkstille. Habe mich dann auch erstmal zurück gezogen und es im Abstand von 5 – 6 Wochen über die letzten Monate immer Mal probiert mit ihm in Kontakt zu kommen. Er schweigt, liest aber meine Nachricht. Blockiert bin ich nicht.

Nun meine Frage an Euch. Ist das für ein ÄvPS ein normales Verhalten oder hat er einfach kein Interesse?

Ich danke Euch für’s lesen und freue mich über neue Sichtweisen

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  • #10013

    Hallo Viola

    Ich denke schon, dass „Ghosting“ ins Verhaltensrepertoire von ÄvPS gehört. Ich kenne das leider nur zu gut.

    Ich habe manchmal Phasen (Tage bis Wochen), in denen ich alles und jeden abblocke. Wenn’s mir schlecht geht, ziehe ich mich zurück. Wenn diese Phase dann wieder vorbei ist, habe ich das nächste Problem: Dann melde ich mich nicht, weil ich mich schäme, weil ich mich solange nicht gemeldet habe.

    Ausserdem muss man bei mir wohl sehr deutlich werden: Also klar sagen, dass man Kontakt mit mir wünscht und sich freuen würde. Ich bin immer dankbar, wenn sich jemand bei mir die Mühe macht, immer wieder nachzufragen. Ich habe zum Glück eine langjährige Freundin die – wenn’s sein muss – hundert Mal versucht mich zu erreichen. Ich verstehe aber auch gut, wenn manche Leute nicht so viel Geduld haben und irgendwann aufgeben.

    Veröffentlicht von: vikiba

    Ist das für ein ÄvPS ein normales Verhalten oder hat er einfach kein Interesse?

    Hast Du Deinem Partner diese Frage auch gestellt und wenn ja, kam darauf keine Antwort?

    Wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du noch ein paar Antworten von ihm bekommst. Ist sicher eine unangenehme Situation für Dich.

    Grüsse, enolA

  • #10015

    @enola

    vielen Dank für Deine Antwort.

    Ich habe alles mögliche probiert, sei es ihn zu kontaktieren, ihm Zeit gegeben, zu schreiben das ich da bleibe.

    Ich liebe diesen Mann. Ich gebe die Hoffnung nicht auf dass er sich doch irgendwie und irgendwann mal öffnet. Für mich als Partner kann es sehr frustrierend sein so gar keine Reaktion zu bekommen und es tut weh

    Gruß Viola

  • #10016

    Hallo Viola,

    ich stimme da enolA zu – durchaus wohl sehr typisch für ÄvPS. Allerdings hast du auch geschrieben, dass das Ganze nicht diagnostiziert ist. Kommt deine Vermutung bezüglich ÄvPS auf Grund dieser Erfahrung mit ihm jetzt oder aus der Erfahrung der 30 Jahre, die du ihn schon kennst? (Wobei, spielt vermutlich auch keine große Rolle)

    Ich habe viele Freundschaften damit letztendlich auslaufen lassen, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe. Zu dem Zeitpunkt war kein Rankommen an mich, ich hatte mich emotional von jedem abgekapselt und habe das, was ich noch zur Verfügung hatte, gebraucht, um irgendwie in meiner Partnerschaft zurecht zu kommen. Zu der Zeit war es niemandem möglich, mich zu erreichen. Und auch bis zum „Schluss“ konnte mich niemand erreichen. Mich konnte niemand „retten“, kann auch heute niemand. Das kann nur ich.

    Auch wenn es mir weh tut, dass ich z.B. meine beste Freundin dadurch verloren habe (und sie hat mir einige Chancen eingeräumt) – Verständnis sollte nur so weit gehen. Ich habe in den letzten Jahren mit meinem befreundeten Ehepaar sehr mühselig daran gearbeitet, dass ich direkt mit denen spreche. Es ist plump und beiläufig, z.B. werde ich gefragt, was ich so gemacht habe und ich antworte „dies das jenes Nervenzusammenbruch“ und dann wird mir die Freiheit gelassen zu entscheiden, ob ich das weiter ausführen möchte. Die beiden haben mit mir zusammen einen sicheren Rahmen erarbeitet, so dass ich mitteilen kann, was ich loswerden möchte. Allerdings weil ich darum gebeten habe. Und die beiden haben viel Verständnis, das weiß ich, dennoch haben sie ihre Grenzen und ihre Gefühle und die werden mir ebenso deutlich mitgeteilt. Ich bin den beiden dafür sehr dankbar, auch wenn das manchmal sehr unangenehm ist und manchmal Kleinigkeiten in mehrere Gespräche ausarten, weil ich in Gedankenspiralen verfalle.

    Was ich damit sagen möchte: Ich gebe zu Bedenken, dass auch du deine Grenzen und Gefühle hast. Und wenn dir das nicht gut tut, rate ich dir herauszufinden, wie weit du bereit bist, zu unterstützen, sollte er jemals bereit dafür sein. Es ist eine schmale Gradwanderung zwischen liebevoller Unterstützung und Missachtung der eigenen Grenzen oder auch dem Versuch jemanden retten zu wollen. Man spricht gerne von „bedingungsloser Liebe“ – ich bin der Meinung, dass das alleinestehend ein Trugschluss ist.

    Auch wenn ich persönlich nichts von der Institution „Kirche“ halte, mag ich den Leitfaden „Liebe deinen nächsten – so wie dich selbst“ sehr schön. Man kann und darf – auch bei jemandem der psychische Probleme hat – sagen „Hey, ich habe Verständnis für dich, doch hier ist meine Grenze. Solltest du mich jemals brauchen, werde ich innerhalb meiner Grenzen für dich da sein und dich unterstützen.“ Und ich denke, dass das auch etwas ist, das sehr wertvoll sein kann.

  • #10025

    Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Das gab mir nochmal einen Anstoß. Ja, ich kenne ihn über 30 Jahren. Wir waren mal Kollegen. Ich wollte ihn damals schon. Wir hatten etliche Dates, Rückzug. Ich lernte dann einen anderen Mann kennen den ich auch geheiratet habe. Mein Kandidat war darüber nicht erfreut aber ich hab ihm zu verstehen daß edaßpicht bereit war. Er hatte bis heute keine Partnerschaft und ist inzwischen 59 und ich 56 Jahre

    Von meinem Mann bin ich mittlerweile getrennt. Die Verbindung zu meinem Kandidaten brach eine Zeit lang ab.

    Im September 2019 hatte ich ihn zu mir eingeladen. Es war toll. Wir haben über Gott und die Welt geredet. Er blieb das ganze Wochenende und hatten unseren ersten Sex.

    Naja Grenzen habe ich mehrmals gesetzt, bin nur leider immer wieder schwach geworden.und habe den Kontakt gesucht.

    Ja es ist von mir nur eine Vermutung, aber alles spricht dafür

    Liebe Grüße Viola

  • #10026

    hallo viola

    was deinen kandidaten angeht, ist mir etwas anderes durch den kopf, nämlich etwas, was mir mal eine dieser frauen gesagt hat: mag sein, dass ävps macht, dass ich wie ein arschloch fühle, aber das gibt mir noch lange nicht das recht, mich wie eines zu benehmen. schätze, das gilt bei deinem mann auch, oder?

    gruss, p

  • #10032

    peanut, auch Dir vielen Dank für Deine Antwort.

    Genau wie Du schreibst, ich kam mir verarscht vor. Ich habe mir gedacht, was für ein Arschloch. Dabei hätte eine klare Ansage gereicht. Vor allem er zeigte mir das er mich auch wollte. Na wie auch immer, ich weiß es leider nicht weil er nicht kommuniziert. Es kann durchaus so sein mit seinen Gefühlen mir gegenüber

    Liebe Grüße Viola

  • #10042

    Liebe Viola,

    Du machst Dir so viele Gedanken über diesen Mann und das seit 30 Jahren. Helfen kann er sich letztendlich nur selbst. Natürlich wünscht Du Dir Antworten aber du kannst nicht nochmal 30 Jahre darauf warten.

    Ja Du liebst ihn, aber diese Liebe sollte nicht größer sein als die Liebe zu Dir selbst.
    Ich kenne diese Situation als Partnerin selbst und habe aufgrund anderer Gegebenheiten Selbstliebe erlernt. Bei mir geht das erst seit ein paar Tagen so mit dem kompletten Schweigen und dennoch habe ich mir das Recht zugestanden meine Gefühle auf Papier zu bringen, einfach um mich frei zu machen. Vielleicht ist das auch eine Strategie für Dich.

    Aufschreiben wie es Dir dabei geht, ein Abschiedsbrief in dem Du aus Deiner Sicht schilderst. Ohne Vorwürfe oder Wut, sagen was man fühlt. Der Brief muss ja auch nie zum anderen gehen, aber Du darfst Dich frei schreiben.

    Ich kann sehr gut mit Dir mitfühlen und wünsche Dir und auch ihm, dass es zu den Antworten kommt die Du Dir wünscht.

    Grüße Hazelnut

     

  • #10051

    hazelnut, Auch Dir lieben Dank für die Antwort.

    Das mit dem aufschreiben der Gefühle für mich ist ein guter Vorschlag. Zumindest glaube ich, ich werde dann ruhiger.

    Ja ich mache mir zuviel Gedanken, das stimmt.

    Ich habe die letzte Zeit viel für mich reflektiert und weiß das ich auch Anteile an der Situation habe. Dadurch ist etwas von meinem Selbstwert zurück gekommen der vorher recht gut war. Die ganze Sache hat mich mehr  mitgenommen als mir doch lieb war/ ist.  Zum Glück gibt es Menschen in meinem Leben die mich lieben, angefahren von meinem Sohn, Enkel und Freundin.

    Liebe Grüße Viola

  • #10057

    Ausserdem muss man bei mir wohl sehr deutlich werden: Also klar sagen, dass man Kontakt mit mir wünscht und sich freuen würde.

    Das geht mir auch so. Wenn mir das keiner sagt und ich das Gefühl habe, dass derjenige ev. sauer auf mich ist, dann melde ich mich nicht mehr, weil ich denke derjenige möchte mich gerade nicht sehen. Oftmals ist das aber gar nicht so. Und das will irgendwie nicht in meinen Kopf rein. Das führt dann oft zu weiteren Spannungen.

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