ÄVPS-Kriterium „Sorge, kritisiert und abgelehnt zu werden“

  • Dieses Thema hat 6 Antworten und 6 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Dominik.

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Hallo miteinander

Ich bin Angehörige eines Menschen mit ÄvPS und möchte die Störung gern besser verstehen.

Die Kriterien für eine Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung laut ICD sind bekannt und eigentlich selbsterklärend. Trotzdem fühlen sie sich für mich recht wage an. Daher möchte ich sie einzeln beleuchten.

3. übertriebene Sorge in sozialen Situationen kritisiert und abgelehnt zu werden

Meine Fragen:

  • Wie genau äussert sich das bei Dir?
  • Woran erkennst Du, dass dieses Kriterium bei Dir zutrifft?
  • Kannst Du ein konkretes Beispiel erzählen?
  • Wie kann ich mir das als Angehörige besser vorstellen?
  • Was kann ich als Angehörige vielleicht tun, um genau bei diesem Kriterium zu helfen oder zu unterstützen?

Danke für Eure Antworten!

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  • #10118
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    Ich kann mit Kritik nicht umgehen. Ich vermeide jede Situation, in der ich kritisiert werden könnte, da ich das Gefühl habe, einer Diskussion nicht gewachsen zu sein. Das hat zur Folge, dass ich immer genau das gemacht habe, was meine Chefin wollte und ich ihr nicht widersprochen habe. Dadurch hat aber jeder einzelne Auftrag wesentlich länger gedauert, da ich alle Möglichkeiten immer wieder geprüft und durchdacht habe und auch nicht abschalten konnte. Den fehlenden Widerspruch hat sie mitunter auch ausgenutzt. In einem Mitarbeitergespräch war es dann so, dass sie mich kritisierte, weil ich zu wenig geschafft hatte und ich wie neben mir stand und mich selbst dabei beobachtete, wie ich eigentlich immer nur genickt habe und keinen Ton heraus bekam.

    Durch die Angst vor Kritik blieb ich länger, prüfte zum Teil stündlich meine Mails und einiges mehr, versuchte immer alles richtig zu machen, was dann unter anderem  zum Burnout und der Depression führte.

    Ich versuche jetzt zu lernen, dass Kritik an meinem Verhalten nicht unbedingt auch Kritik an mir ist. Das ist aber verdammt schwer!

    Ich denke immer daran, was andere über mich denken könnten. Da habe ich einen Negativfilter und fürchte mich bei jedem sozialen Kontakt vor Kritik, denn es kann ja nur so sein, dass sie mich kritisieren!

  • #10126
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    Auch das hängt mit den eigenen Unsicherheiten und Befürchtungen zusammen, die Angst dass sie sich bestätigen oder man gar noch schlimmer dran ist als befürchtet.

    Problem ist aber auch häufig dass, wenn man Kritik bekommt, der Fokus nur auf das schlechte gelenkt wird und das gute völlig untergeht. Dadurch nehme ich meine Schwächen noch stärker wahr als es bereits der Fall ist, und das wenige gute was ich an mir sehe wird noch weiter abgewertet, da es den anderen anscheinend keiner Beachtung wert war, und es somit auch für mich weniger wert wird.

    Mir hilft es wenn Vorschläge mit mir besprochen werden und Hilfe dabei angeboten wird. Schlecht ist ein „du solltest…“ Denn dadurch wird unbewusst Erwartungsdruck aufgebaut und man hat Angst „wieder einmal“ zu versagen. Besser ist wenn man etwas „versucht“ – einfach mal schaut, wenn es klappt ist es gut, wenn nicht ist es auch egal.

  • #10128
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    Wenn jemand etwas Positives über mich sagt, kann ich das nur sehr schwer glauben. Ich denke dann immer, derjenige meint es gar nicht so und sagt es nur, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder hat einen Hintergedanken.

     

  • #10133
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    Veröffentlicht von: susan Wenn jemand etwas Positives über mich sagt, kann ich das nur sehr schwer glauben. Ich denke dann immer, derjenige meint es gar nicht so und sagt es nur, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder hat einen Hintergedanken.

    Kenne ich auch. 😑  Bei mir ist es so, dass ich denke, die Person sagt es nur, weil sie höflich ist oder ich ihr in meiner „spürbaren Zurückgenommenheit“ leid tue oder sonst was in der Richtung.

  • #10129
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    Ich kann mit konstruktiver, gerechtfertigter Kritik gut umgehen. Leider ist diese Art von Kritik ziemlich selten. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass ich wegen Nichtigkeiten kritisiert werde. Ich hatte mal eine Chefin, die mich regelmässig runtergeputzt hat, weil ich mir die Fingernägel nicht lackiere und mich nicht schminke. Ich habe im Back-Office ohne Kundenkontakt gearbeitet und absolut nicht verstanden, was das mit meiner Arbeit (an der es nichts auszusetzen gab) zu tun haben soll.

     

  • #10136
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    Auch wohlwollende Kritik fassen wir negativ auf. Da Sie unseren negativen Annahmen bestätigen zu erscheinen.

     

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