Überwindung der ÄVPS

  • Dieses Thema hat 7 Antworten und 7 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Veilchen.

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#9967

Gibt es hier einen, der vielleicht mal die ÄVPS hinter sich gelassen hat und normale soziale kompetenz aufgebaut hat?

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  • #10552
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    @pharao Definiere „normale soziale Kompetenz“? Wenn Du damit meinst, dass man normalen sozialen Umgang pflegen kann, ohne besonders aufzufallen, kann ich die Frage bejahen.

     

    Wenn Du damit allerdings meinst, dass man enge und langfristige Beziehungen eingehen und aufrecht erhalten kann, dann eher nicht.

     

  • #10555
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    Als ich die Frage gelesen habe, dachte ich mir ganz klar „Nein, habe ich nicht“, aber ich kann sowohl sozialen Umgang pflegen, ohne besonders aufzufallen (ich denke ein bisschen falle ich schon auf, aber eben nur durch Kleinigkeiten), als auch habe ich eine 5jährige Beziehung und Freundschaften, die zumindest ein paar Jahre halten. Also nach diesen Definitionen habe ich es wohl!

    Mein Problem ist, dass ich meine komplette Energie reinstecken muss, um bei Leuten ausserhalb von engen Freunden „nicht aufzufallen“, und auch bei Freunden, wo ich mich eigentlich nicht verstelle, zieht der soziale Kontakt dennoch ordentlich Energie. Diese Woche habe ich zB zwei Arzttermine und einen Telefontermin, und ich bin überfordert und finde es viel zu viel Sozialkontakt, werde aber letztlich durchkommen, ohne dass es irgendwem auffällt, wie schwer es für mich ist.

    Mit Freunden habe ich hauptsächlich über Internet Kontakt, was ich entspannter finde.

  • #10559
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    Ich kann mich Enola und anon-melon anschliessen: Bei mir ist das ziemlich genau so wie die beiden es sagen.

    Ich kann sehr souverän, kompetent und selbstbewusst auftreten. Ich habe in den letzten Jahren viele IT-Workshops geleitet und auch Sprachkurse gegeben und bekam immer gute bis sehr gute Bewertungen der Teilnehmer. Was die jedoch nicht gesehen haben, ist

    1) der ganze Stress vorher: ich verwende extrem viel Zeit um alles vorzubereiten – total übertrieben und schon rein zeitlich so, dass ich das niemals über längere Zeit durchhalten würde.

    2) die Erschöpfung danach: nach mehreren Stunden auf dem sozialen Tanzparkett bin vollkommen erledigt. Körperlich und emotional extrem erschöpft. Ich brauche dann unbedingt viel Zeit für mich allein zum Erholen.

    Vermutlich ist hier der Knackpunkt mit der sozialen Kompetenz: Ich bin durchaus in der Lage nach den Spielregeln zu spielen und bin sogar recht gut darin. Nur fällt es mir so schwer bzw. ist mit soviel aufgebrachter Energie und Aufwand meinerseits verbunden, dass es eben dann doch als „gestört“ eingestuft werden muss.

    Denke, so einfach lässt sich das eben wirklich nicht beantworten. Da gibt es kein simples Ja oder Nein.

    Lg, trixi

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

  • #10566
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    Was ist schon normal? Ich bin sehr schüchtern und mir fehlen oft die Worte oder ich spreche so leise dass man mich kaum versteht. Ich spreche ungern von mir aus fremde Menschen an, sei es auch nur, um nach der Uhrzeit zu fragen. Ich denke oft, Menschen die zum ersten Mal mit mir reden, halten mich für dumm. Wenn „sozial kompetent“ bedeutet, dass man nicht auffällt, dann bin ich wohl nicht sozial kompetent. Ich bin introvertiert und schüchtern. Beides normale Eigenschaften und keins davon eine Krankheit, oder? Manchmal frage ich mich, ob ich erst dann als normal gelte, wenn ich eine extrovertierte Kontaktmaschine werde.

     

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  • #10578
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    Mir geht es wie Trixi. Ich bin recht erfolgreich im Beruf, kann auch sozial kompetent sein und das in der Schule den Kindern auch vorleben und ihnen vermitteln. Das sagt aber noch nicht aus, wie viel Energie es mich kostet.

    Termine mit Eltern bereite ich immer sehr lange vor, bekomme auch immer wieder Rückmeldungen, dass ich es gut mache, bin danach aber total erschöpft. Das normale Miteinander kostet mich sehr viel Kraft, so dass ich private Veranstaltungen meide, weil sie mich zu sehr anstrengen. Auch das ist ÄvPS.

     

  • #13271
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    Die Frage ist nicht unverständlich und sich an dem Wort „normal“ festzubeißen bringt keinen weiter. Problematisch ist das Wort „normal“ nur, wenn man ihm die Bedeutung von „richtig“ gibt, und nicht nur die NEUTRALE Bedeutung „wie es die meisten tun“.

    Komplett hinter mir gelassen, habe ich es nicht, aber ich habe einen Weg gefunden, einiges zu erleichtern, indem ich mich knapp 800 km von meinem Herkunftsort Richtung Süden ins Ausland gezogen bin. Die Wirkung habe ich erst nach 1-2Jahren (von den 11, die ich dort war).

    Einmal ganz allein aus dem sozialen Kontext rausgerissen irgendwo neu anzufangen, war eine große Hilfe. Dies in einer Gesellschaft von Individualisten zu tun, in denen die Abweichung vom „normal“en nicht negativ bewertet wird, also Neugier gegenüber Missbilligung des „unnormalen“ überwiegt, das nur als eine Variante des „normalen“ wahrgenommen wird, erleichtert einiges. Bei weniger negativer Resonanz auf Introverse/Hochsensible/Hochsensitive/Schüchterne usw. kann man sich freier entfalten.

    Jetzt, nördlich des Brenners ist es wieder schwieriger, aber das Bild, das ich über mich selbst (und andere „unnormale“ Personen wie mich) habe, ist nicht mehr negativ, sondern genauso NEUTRAL wie das der „normalen“.

    Drin stecke ich immer noch, aber ich kann mich einigermaßen damit arrangieren und die Hölle, in der ich mit etwa 20 Jahren steckte habe ich definitiv verlassen.

    Sollten jetzt dem einen oder anderen Zweifel an der Schwere meiner Ausgangssituation kommen, kann ich die hier mal kurz beschreiben:

    Mit etwa 20 war mein Zusatand wie eingeschlossen in einem Turm, dessen Mauern ich aus Angst selber um mich hochgezogen habe, und in dem ich mich trotz weniger guter Freunde einsam gefühlt hatte und in der eine Liebesbeziehung nicht möglich war, und den, in den ich so verliebt war, nicht an mich dranlassen konnte, obwohl der das explizit ausgesprochen hatte, wie sehr er mich mochte. Mit etwa 25 als ich in meinem Studium in Geisteswissenschaften auf der Stelle trat, weil die Literatur mich nicht von meinen Themen abkenken konnte, wie es vielleicht Naturwissenschaften getan hätten, habe ich im letzten Moment die Reißleine gezogen und bin fortgegangen, so dass sich der erttende Fallschirm gerade noch rechtzeitig geöffnet hatte.

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  • #10554
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    @enola Ja ersteres, meinte ich.

     

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