ÄVPS und Corona

  • Dieses Thema hat 14 Antworten und 9 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Trixi.

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Hallo, ich möchte mal ein neues Thema eröffnen: Wie empfindet ihr ÄVPS -Betroffene die Corona-Zeit? Ich habe im Frühherbst die Diagnose bekommen, habe in der Klinik viel über mich und die Erkrankung gelernt. Dann bin ich motiviert zu Hause angekommen, vieles anzugehen und mich zu überwinden. Nur leider war das in der Pandemie nicht wirklich möglich. Die Restaurants in Deutschland sind seit Anfang November geschlossen, die meisten Geschäfte seit Mitte Dezember. Eigentlich kommt es uns ja entgegen, dass viele Veranstaltungen gar nicht erst stattfinden, die wir normalerweise versuchen zu vermeiden, keine Parties, soziale Kontakte aller Art, z. B. Weihnachtsfeiern im grossen Familienkreis. Silvester habe ich schon immer gehasst. Man bleibt fast immer zu Hause. Aber gleichzeitig weiss ich, dass mir das nicht guttut und das Vermeidungsverhalten dafür sorgt, dass es mir schlechter geht. Ich freue mich einerseits auf das Ende der Einschränkungen,  habe aber auch gleichzeitig Angst davor.

Wie geht es euch damit?

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  • #10033
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    Hallo zusammen,
    mir hat Corona auch geholfen, dass ich nicht an unserer jährlichen Firmenweihnachtsfeier teilnehmen musste 😉 Puuuh, Glück gehabt! Auf der anderen Seite konnte ich aber auch Verwandte nicht besuchen, die ich gerne besucht hätte…das war richtig scheisse…

    Und heute ist Silvester und ich sitze wieder wie jedes Jahr alleine rum und schäme mich auch dafür… Wie geht es euch mit sozialen Kontakten?

    Liebe Grüße, Barbara.

  • #10116
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    Veröffentlicht von:  @pharao

    Normalerweise haben ÄVPSler ein starkes Nähebedürfnis.

    Das ist ja genau das was uns von den Schizoiden unterscheidet.

    Ahoi Dominik

    Was Du sagst, ist vollkommen richtig.

    ÄvPS ist eine „Nähestörung“. Dies allerdings, muss man richtig rum verstehen: Es bedeutet in der Psychologie, dass Menschen mit dieser Störung „in der Nähe gestört“ sind.

    Sprich, die Sehnsucht nach Nähe ist da. Schizoide hingegen verspüren diese Sehnsucht nicht. Allerdings gibt es durchaus Experten, die davon ausgehen, dass auch Schizoide eine Nähebedürfnis haben (das Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Bindungen ist offenbar etwas ur-menschliches).

    Der Punkt ist, dass bei beiden PS die Schwierigkeiten, Probleme etc. in der Nähe zu anderen Menschen auftreten. Beide tendieren daher dazu, eben genau diese Nähe zu meiden. Bei ÄvPS entsteht meiner Meinung nach, genau aus diesem Widerspruch, viel Leid und Schmerz.

    Wollen, aber nicht können.

    Daher finde ich es schon recht speziell, dass Du hier eine Ausnahme bist. Allerdings ist auch das durchaus plausibel. Wer sagt den, dass wir alle dem bekannten Schema folgen?

    LG, trixi

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

  • #10010
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    Hallo Hörnchen,

    ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Beschränkungen eine Erleichterung für mich waren. Meine Diagnose ÄVPS ist für mein Umfeld kein Geheimnis. Weswegen man es sich eine Zeit lang zur Aufgabe gemacht hat, mich zu meinem „Glück“ zu zwingen. Man muss dazu wissen, dass die Freunde, die ich habe, irgendwie alle mal in therapeutischer Behandlung waren/sind. Hat sich über die Jahre so ergeben, und das war auch der Auslöser, dass ich mich überhaupt in Therapie begeben habe.

    Häufig zwinge ich mich auch selbst, in der Hoffnung, dass es doch irgendwie geht. Sobald die Personenanzahl aber zu gross ist oder Leute da sind, die ich nicht so gut kenne, überfordert mich das schnell (also im Grunde, sobald nicht mehr sicher ist, dass man mich mag). Das halte ich dann nicht lange aus und ich verfalle in Zweifel. Da mein Umfeld das ja aber weiss, glaube ich, ich muss das weit über meine Grenzen hinaus aushalten, weil ich ja sonst „nur“ vermeide. Ehrlichkeit wäre da wohl am effektivsten, klappt aber noch nicht so.

    Deswegen bin ich ganz froh über die „Pause“ von dem ganzen „ich muss über meine Grenzen gehen“. Ich finde es schon schwer überhaupt hier im Forum was zu schreiben, obwohl ich mich hinter der Anonymität verstecken kann.

    Dennoch kann ich dich verstehen. Wenn man unbedingt und völlig motiviert etwas ändern möchte, und dann auch noch solch erschwerte Startbedingungen hat, ist das bestimmt irgendwo demotivierend.

  • #10014
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    Mir machen die Einschränkungen wegen Corona nicht allzu viel aus. Ich finde es in mancherlei Hinsicht sogar entspannend. Zum Beispiel hat mein Arbeitgeber dieses Jahr kein Weihnachtsessen veranstaltet und stattdessen jedem Mitarbeiter einen Bonus ausgezahlt. Das zum Beispiel könnte für mich gern jedes Jahr so laufen!

     

  • #10110
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    @pharao, wahrscheinlich bin ich auch verrückt,aber mir kommt der Lockdown sehr entgegen.Damit habe ich es geschafft,dass ich meinen 60,. Geburtstag nicht groß feiern müsste.Das war für mich ein Segen.Nun bin ich seit mehr als 4 Wochen in einer Klinik,und selbst hier vermeide ich es oft,in den Aufenthaltsraum zu gehen.Ich mag einfach nicht unter Leute gehen,nur um zu vermeiden,dass ich wieder irgendwelche Fehler mache oder die Leute störe.

  • #10011
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    Für mich werden die dauernden Lockdowns zum Problem. Trotz Angst vor Ablehnung anderer, habe ich trotzdem einen starken Wunsch nach Kontakt zu den Personen die ich kenne (von denen ich weiß dass sie mich mögen/akzeptieren). Ich war zweimal in der Woche mit ihnen zusammen, jetzt ist das nurmehr online möglich und somit nicht das gleiche. Wenn ich nicht doch ab und an mich mit meiner Familie oder besten Freundin treffe, fällt mir daheim die Decke auf den Kopf. Zu viel allein = zu viel Freiraum um über meine Probleme nachzudenken = Stress und höheres Risiko meiner Depression zu verfallen.

    Außerdem geht es mir ähnlich wie Hörnchen, ich habe im Februar ’20 meine Diagnose bekommen, wollte daran arbeiten, was mit März zunichte gemacht wurde. Z.b. wollte ich versuchen aktiver nach einem lang ersehnten Partner zu suchen, was während der Corona-Zeit ein Ding der Unmöglichkeit ist, was leider in Frust endet.

    Also zusammenfassend: durch die Umstände befürchte ich, bereits gemachte Fortschritte zu verlieren, ich denke zu viel nach, zu lange allein fällt mir die Decke aif den Kopf und die Unklarheiten wie es weitergeht (und bei den Beschränkungsregeln) verstärken meine Unsicherheit und auch etwas Angst.

  • #10044
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    Veröffentlicht von:  @natur

    Wie geht es euch mit sozialen Kontakten?

    Hi Barbara,

    soziale Kontakte (über meine kleine Familie hinaus) entziehen mir meist immer noch Energie, sodass ich dieses Jahr ganz froh bin, dass wir coronabedingt heute nur zu dritt sein werden.

    Und zu ÄvPS und Corona im Allgemeinen:

    Die Kontakteinschränkungen stören mich eigentlich nicht.

    Doof ist, dass wir meinen Schwiegervater zu seinem Schutz nur sehr selten besuchen konnten und ihn somit gefühlt ziemlich im Stich gelassen haben. Aber er wohnt leider auch ziemlich weit weg.

    Doof ist auch, dass ich meine Tochter dieses Jahr nur zweimal gesehen habe (Reiseverbote, Risikogebiet; sie, meine Frau und ich beruflich mit häufigem Kontakt zu Angehörigen der Risikogruppen – da will man nichts heraufbeschwören).

    Für mich persönlich ist voll blöd, dass ich in ständigem Risiko stehe, getestet zu werden, was mir aufgrund meiner zusätzlich bestehenden Oralo- bzw. weitergehend Weißkittelphobie ein absoluter Graus wäre.

     

    Sonst geht’s so 🙂

    Gruß, Fool

  • #10012
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    Ahoi zusammen

    Auch für mich sollte das Jahr 2020 „therapeutisch wertvoll“ werden. Ich war die Jahre vorher grossenteils nicht arbeitsfähig und musste daher von Sozialhilfe leben. Da standen die finanziellen Möglichkeiten dem Sozialisieren im Weg und das war keine Ausrede. Heutzutage sind die Sozialleistungen dermassen knapp berechnet, dass es gerade reicht um am Leben zu bleiben. Eine Zugfahrkarte hat da meist schon nicht mehr ins Budget gepasst und irgendwelche Freizeitaktivitäten schon gar nicht.

    Exakt vor einem Jahr hat sich mein Leben jedoch endlich verbessert, weil ich eine Teil-Rente zugesprochen bekommen habe und ich mir endlich wieder etwas leisten kann.

    Der Plan war also, mir Freizeitaktivitäten zu suchen und mal endlich wieder ein paar Menschen kennenzulernen und all das zu Üben und Auszuprobieren, was ich in der Therapie gelernt habe. Ich war also im März für mehrere Kurse (Englisch, Gruppenfitness etc.) angemeldet und es wurde alles abgesagt bzw. später im Jahr als Online Kurs angeboten.

    Aus den guten Vorsätzen ist also wegen Corona nichts geworden.

    Ansonsten muss ich bei Anordnungen wie „max. 10 Personen aus 2 Haushalten“ nur lachen: Ich kenne nie und nimmer 9 Menschen die ich zu  mir nach Hause einladen könnte.

    Mit ÄvPS ist man quasi von Natur aus Vorzeigebürger wenn’s um Einschränkungen der sozialen Kontakte geht, oder? 🤔 🙄

    LG, Trixi

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

  • #10017
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    Mir gehen die Einschränkungen völlig auf dem Geist. Wollte ich mich doch bewusdt sus der sozialen Isolation befreien. Und dann kommt aufeinmsl der Befehl sich in die sozisle Isolstion zu begeben.

    Dadurch sind meine Konfrontationstherapien um einiges erschwert.

  • #10046
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    @tantalus
    Hallo Fool,

    na dann wünsche ich Euch Dreien einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein tolles 2021.

  • #10047
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    @tantalus

    Weisskittelphobie habe ich auch noch nicht gehört. Klingt lustig, ist es aber vermutlich nicht. Der Coronatest soll ja auch bisserl unangenehm sein.

  • #10050
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    @natur:

    Iatrophobie, meine ewige Baustelle.

    Da ich Gott sei Dank mit einer immer noch recht robusten Gesundheit gesegnet bin, komm ich damit gut zurecht.

     

  • #10061
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    Echt jetzt? Ich dachte gerade für uns ÄVPSler ist es ein schwerer Schicksalsschlag der lockdown?

    Ich sehe gerade dss hier einge sogar sehr froh darüber sind.

    Also ich verzichte sehr ungerne aif sozisle Kontakte.

  • #10113
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    Dann habe ich wohl doch keine ÄVPS.

    Ich hasse es ohne Menschen zu sein.

    Normalerweise haben ÄVPSler ein starkes Nähebedürfnis.

    Das ist ja genau das was uns von den Schizoiden unterscheidet.

    Ich hasse meine Persönlichkeitsstörung, die mich in soziale Isolation gebracht.

    Dann kam noch so ein blödes Virus und Plötzlich war ÄVPS Verhalten sogar das erwünschte Verhalten der Bundesregierung.

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