Ängstlich-vermeidend, soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz

  • Dieses Thema hat 9 Antworten und 8 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert 1 Jahr zuvor von Dominik.
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#9930

ich bin gerade etwas frustriert. ich habe mich in den letzten wochen mal wieder etwas intensiver mit meiner ävps-diagnose beschäftigt. dabei bin ich immer wieder auf die behauptung gestossen, menschen mit ävps seien „sozial inkompetent“. so erklärte mir unter anderem mein psychiater, dass er nicht glaube, dass ich ävps habe, weil ich ja schon ein empathischer und sozial kompetenter mensch sei. aha? folglich sind ävps-menschen diese leute, die linkisch einen raum betreten, bereits einen schritt später ins erste fettnäpfchen treten, die ständig unpassende bemerkungen machen, rot anlaufen, stottern… leute die vielleicht unbeabsichtigt, aber dafür umso konsequenter allen rund herum tierisch auf die nerven gehen… menschen, denen man eigentlich nur dinge beibringen muss, wie das man im gespräch augenkontakt hält oder die geschichte über die magenverstimmung die man mal hatte, grad keinen interessiert, in einer runde in der jemand von seiner krebsdiagnose erzählt hat. oder irgendeine andere situation, in der der ävps-ler offenbar als einziger die gefühlslage der anderen überhaupt nicht erfasst.

ich habe daraufhin einigen leuten die kurzdefinition von ävps hingehalten die nicht wissen, dass ich mich mit der diagnose identifiziere und habe gefragt, wie sie sich vorstellen, dass diese menschen so sind… zusammengefasste rückmeldung? ->

ich weiss echt nicht mehr… ich glaube nicht, dass ich so bin und wenn man so sein muss, um ävps zu haben, dann bin ich raus.

Ich habe eine selbstunsichere PS mit emotional instabilen Mustern. Sprich, mein Leben ist einsam und chaotisch.

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  • #10303

    Eigentlich ist ein Diagnosekriterium „die Überzeugung selbst sozial unbeholfen zu sein“, also dass man selbst das Gefühl hat, dass man eventuell nicht so sozial kompetent ist, wie andere.

    So, wie dein Psychiater das darstellt, habe ich das noch nie gehört? Und passt auch im Grunde nicht ins Verhaltensmuster.

    Klar, jeder tritt mal in ein Fettnäpfchen. Aber, dass ÄVPSler soziale Defizite in dem von dir geschilderten Rahmen haben…wohl eher nicht. Das streitet sich ja doch regelrecht mit dem Vermeidungsverhalten. Denn wer sich so benimmt, läuft ja doch mehr Gefahr, in irgendeiner Art und Weise in Konflikte zu geraten oder abgelehnt zu werden.

    Wundert mich, sehe ich gar nicht so.

  • #10304

    @vaira danke! tut gut das zu lesen.

     

    Ich habe eine selbstunsichere PS mit emotional instabilen Mustern. Sprich, mein Leben ist einsam und chaotisch.

  • #10307

    Ich glaube auch nicht, dass das so stimmt. Wir treten nicht öfter ins Fettnäpfchen als andere, nur wenn es passiert, empfinden wir es als sehr viel schlimmer, weil es uns in dem Fall lieber wäre, unsichtbar zu sein. Ich kann auch ein sozial kompetenter Mensch sein, wenn ich das nicht wäre, hätte ich nicht 25 Jahre in meinem Beruf arbeiten können. Was aber mit ÄVPS nicht im Widerspruch steht. Ich habe eine erfolgreiche Fassade aufgebaut und habe bei jedem sozialen Kontakt  (ausser in der engsten Familie) die Angst, dass jemand dahinterschaut und entdeckt, wie ich eigentlich bin. Ich gehe auch nie jemandem auf die Nerven, sondern sitze nur zuhörend daneben. Wobei ich dann jedes Mal hinterher das Gefühl habe, sozial inkompetent zu sein, weil ich es nicht schaffe, mich in Gesprächen zu beteiligen.

  • #10308

    Andere treten noch viel häufiger in Fettnäpchen als äVPSler.

    Sie sind es aber gewohnt mit abfälliger Kritik umzugehen, gerade weil Sie die Sachen nicht vermeiden.

    Sie besitzen mehr Resillienz Gegenüber Peinlichkeiten und können besser drüberstehen.

  • #10311

    ist aber eine weile her, dass urkel regelmässig im tv war … vermute mal, viele der jüngeren kennen ihn nicht. aber nein, ich bin auch kein fettnäpfchen-treffer – ich bin mehr so die katze, die beim waschen vom sofa plumpst und dann so tut als ob wär nichts gewesen.

    Mann mittleren Alters mit ÄVPS, Beziehungsangst und einem Alkohol-Problem. Aber ansonsten eine wirklich gute Partie.

  • #10313

    Meiner Meinung nach sind Menschen mit ävps keineswegs sozial inkompetent, im Gegenteil. Auch ich bin sehr empathisch und kann auch mit Menschen umgehen, aber nur, wenn ich nicht gerade mal wieder schwer depressiv bin. Dann nämlich gehe ich erst recht allen aus dem Weg, aus Angst, wieder mal etwas falsch zu machen oder missverstanden zu werden. Die ärgerliche Reaktion der Anderen trifft mich dann doppelt hart. Allerdings habe ich gerade durch die Depression das Schauspielern gelernt, um damit viele Situationen zu umschiffen, weil ich nicht wollte, dass man mir die Depression gleich anmerkt.

  • #10318
    Veröffentlicht von: @christkindchen

    .Allerdings habe ich gerade durch die Depression das Schauspielern gelernt, um damit viele Situationen zu umschiffen, weil ich nicht wollte, dass man mir die Depression gleich anmerkt.

    Das habe ich auch so gemacht. Der Nachteil ist, dass die Menschen einen dann für viel belastbarer, souveräner, ausgeglichener (… was auch immer) halten, als man wirklich ist.

  • #10340

    Die Ansicht deines Psychiaters kann ich auch nicht bestätigen, im Gegenteil.  Was ich immer wieder über Menschen mit ÄvPs gelesen habe und worin ich mich selbst auch sehe ist, dass sie häufig als sehr angenehm empfunden werden, da sie eben absolut vermeiden anzuecken, unangenehm aufzufallen, sich ständig durch die Augen der anderen versuchen zu sehen und harmoniebedurftig sind, deshalb auch häufig die Bedürfnisse anderer über die eigenen Stellen. Das zeugt ja schon von hoher sozialer Kompetenz, kostet aber auch viel Kraft. Klar in bestimmten Situationen von hoher Anspannung können wir auch recht holprig und verkrampft wirken. Aber das macht nicht unser ganzes alltägliches Dasein aus! Ich persönlich halte meine Empathiefähigkeit sogar für meine grösste Stärke. Dies wurde mir auch schon häufig gespiegelt. Auch hab ich mit den Jahren gelernt eben dadurch viele Unsicherheiten im Alltag sehr gut überspielen zu können. Trotzdem trifft auch auf mich zu, dass ich mich in bestimmten sozialen Situationen selbst als unbeholfen empfinde. Dabei geht es aber vorallem darum mich vor Autoritäten (zB. auch Behörden) oder besonders dominanten Menschen durchsetzen zu können und auch oft um das Thema eigene Grenzen erkennen und setzen zu können.(Da ich niemanden vor den Kopf stossen will und Nein sagen häufig schwer fällt)  Ausserdem wird es mit mir schwierig,  wenn es darum geht eine echte intime Beziehung aufzubauen. Auch wenn ich mir diese sehr wünsche, stehen mir mein Misstrauen und mein geringes Selbstwertgefühl dabei sehr im weg. Beziehungen aufrecht erhalten fällt auch sehr schwer. Ich denke das ganze ist eben sehr komplex, steht niemandem gleich auf der Stirn und es gibt eben ganz verschiedene Ausprägungen und Bewältigungsstrategien. Wir sind eben nicht nur Freaks  😉

  • #10381

    Richtig, so sehe ich das auch.

     

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