Antwort auf: Therapie-Tagebuch :)

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  • #14795

    Und hier kommt der nächste Teil.

    Gestern hatte ich meine zweite Sitzung.

    Seit dem Erstgespräch hat sich bei mir schon einiges bewegt. Bei mir ist vor allem hängen geblieben, dass man im guten Kontakt mit Mitmenschen Energie gewinnen sollte.

    Ich habe angefangen darauf zu achten und habe trotz akuter Einsamkeit und einem grossen Wunsch nach sozialen Kontakten einige Menschen aus meinem Leben entfernt. Ich habe mich also nicht mehr mit Leuten getroffen, bei denen ich mich nach einer Stunde Kaffee trinken und reden total ausgelaugt gefühlt habe.

    Die Menschen, die die Zeit mit mir eigentlich nur genutzt haben, um mir ihre Lebensgeschichten und ihre Sorgen zu erzählen, fehlen mir nicht wirklich.

    Im Gegenzug habe ich den Kontakt zu Menschen gesucht, die mir Energie geben. Das sind leider nicht so viele. Aber es hat sich für mich gelohnt, mich auf diese Bekanntschaften zu konzentrieren. Tatsächlich habe ich so jemanden gefunden, der mir ganz speziell am Herzen liegt, weil er mich immer wieder zum Lachen bringt. Und tatsächlich entwickelt sich zwischen mir und diesem Mann gerade so etwas wie eine Liebesbeziehung.

    Es ist zwar nicht einfach, weil meine Beziehungsangst natürlich nach wie vor ein Thema ist. Aber ich lass es laufen und es läuft gut.

    Zurück zu meinem neuen Therapeuten! Als ich in der Praxis ankam lief im Hintergrund der World of Warcraft Soundtrack. Das fand ich eine mega schöne Geste. Nicht nur, dass er sich daran erinnert hat – nein, er hat sich offenbar sogar auf die Sitzung vorbereitet und hat versucht dafür zu Sorgen, dass ich mich wohl fühle. Das hat mich extrem berührt.

    Auch sonst war die Sitzung gut. Ich mag seine Sichtweise auf die Dinge und ich mag, wie er mir Dinge mit Metaphern erklären kann, die ich verstehe und die mir eine neue Perspektive eröffnen.

    Die Mischung zwischen mir zuhören und selber reden auch gepasst. Ich fühle mich willkommen und wahrgenommen und das ist für mich ein ganz schönes Ding. Die Sitzung gestern war dann für mich auch viel zu früh vorbei. Die nächste findet in zwei Wochen statt. Ich freue mich, habe aber auch Angst.

    Es ist schon und unheimlich zu gleich, wenn man gesehen, angenommen und ernstgenommen wird.

    Im Moment habe ich ein gutes Gefühl. Ich glaube, mit diesem Therapeuten kann ich arbeiten und vielleicht sogar endlich mal einige meiner Traumata verarbeiten.

    Falls Du das bis hierher gelesen hast: Kleiner Tipp von mir: Achte auf Dein Bauchgefühl, wenn Du zu einem Therapeuten gehst. Ich weiss, es ist schwer einen guten zu finden, aber das warten lohnt sich. Ich habe zu viel Zeit verschwendet in Sitzungen mit Therapeuten, die regelmässig nicht mehr wussten, was wir in der Woche zuvor besprochen hatten. Oder Therapeuten, die mir zwar zugehört haben, aber mir nichts mitgeben konnten.

    Kopf über Wasser.

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