Antwort auf: Therapieabbruch

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  • #10404

    Ich habe auffällig ähnliche Erfahrungen.

    Von meinem letzten Therapeut habe ich mich vor einem Monat verabschiedet, nachdem ich feststellen musste, dass ich während den Sitzungen bei ihm eigentlich nur noch „flunkere“. Es ist im letzten Jahr öfters mal vorgekommen, dass ich mit Themen in die Sitzung gekommen bin, auf die er schlicht nicht eingegangen ist. Ich hatte das ganz starke Gefühl, dass ich ihn überhaupt nicht mehr erreiche (oder schlimmer: Ihn nie wirklich erreicht habe!).

    Neu an diesem Therapieabbruch war, dass ich nicht einfach nicht mehr zu den Sitzungen erschienen bin. So habe ich das nämlich leider bei rund einem Dutzend Therapeuten früher gemacht. Ich werte es daher als persönlichen Fortschritt, dass ich es immerhin hingekriegt habe, die Therapie „offiziell“ zu beenden.

    Mit ist das Thema auch eigentlich recht unangenehm. Häufige Wechsel gelten leider bei vielen Fachpersonen als starker Indikator für eine Borderline-Störung, was bei mir definitiv nicht zutrifft. Daher Hut ab vor Deiner Therapeutin: Immerhin wusste sie, dass dies auch bei ÄvPS-Betroffenen ein grosses Problem sein kann.

    Aktuell versuche ich mich also selber davon zu überzeugen, dass an einem Therapieabbruch nicht immer und ausschliesslich der Patient „schuld“ ist. Manchmal passt es einfach nicht und damit meine ich nicht mal Unstimmigkeiten. Meinen letzten Psychiater mochte ich als Mensch sehr. Wohl so sehr, dass ich mich ab einem gewissen Punkt geschämt habe, ihm mein „wahres Ich“ zu zeigen. Man könnte ja aber durchaus auch so argumentieren, dass ein guter Therapeut so etwas merken müsste, oder?

    Ich glaube daher, dass keine Therapie auf Biegen und Brechen weitergeführt werden muss. Manchmal ist es tatsächlich besser, sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen.

    Himmel… es wird schon wieder umfangreich hier. Ja, ich könnte mal wieder Seiten füllen! 🙄

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.