Antwort auf: „Gesehen werden“ und Panik – Angst vor Ablehnung

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  • #10395

    Interessantes Thema! Ich kenne das „unsichtbar machen“ gut und offenbar kann ich es auch gut. Eindringlich in Erinnerung geblieben ist mir ein Erlebnis aus der Klinik. Nachdem ich dort rund zwei Monate Patientin war, hatte ich ein Gespräch mit meiner Betreuungsperson aus dem Pflegeteam und er meinte, er sei an der letzten Teamsitzung ein bisschen in Verlegenheit geraten wegen mir. Offenbar war es in diesem Team üblich, dass im Wechsel alle Pfleger etwas über ihre Schützlinge erzählen. Nun war er dran und hat festgestellt, dass er über mich eigentlich gar nichts sagen kann, weil er mich im Klinik-Alltag so überhaupt nicht wahrnehme. Nun… ich war da und habe es nicht darauf angelegt, unsichtbar zu bleiben, musste aber auch eingestehen, dass mir das so eigentlich recht angenehm war.

    ABER! Gleichzeitig beklage ich mich dann schon mal gerne, dass ich übersehen werde, vergessen werde, man mich nicht wahr nimmt. Mir geht es genau gleich: Gesehen zu werden ist für mich gleich bedeutend wie taxiert und kritisiert zu werden. Es erscheint mir wie ein Naturgesetz, dass mit der Aufmerksamkeit auch immer Spott, Abwertung, Niedertracht, Kritik und Ärger kommt. Dabei bin ich mir sicher, dass es der ganz grossen Mehrheit der Menschen vollkommen egal ist, ob meine Hose eigentlich zu kurz ist (oder was ähnlich banales). Allen egal zu sein ist dann allerdings auch wieder schmerzhaft. Ein Thema voller Widersprüche.

    Schweizerin mit 1977er Jahrgang. Ich habe chronische Depressionen, DPS und eine GAS.

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