Antwort auf: Beispiele für ICD-Kriterium „Überzeugung, unbeholfen, unattraktiv, minderwertig“

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  • #10388

    Um wieder zurück zum Thema zu kommen würde ich meine soziale Unbeholfenheit so beschreiben.

    Zum einen finde ich Smalltalk ganz schrecklich und schwierig vorallem mit Fremden. Ich versuche immer möglichst von mir selbst abzulenken, da mir mein Lebenslauf und meine jetzige Lebenssituation unbeschreiblich peinlich ist und sich wie ein einziges Versagen anfühlt. Außerdem bin ich häufig total ratlos darüber,  was man denn jetzt erzählen könnte. Ich komme meist garniert auf die Idee, das irgendetwas aus meinem Leben oder aus meinen Gedanken überhaupt nur ansatzweise interessant für jemanden sein könnte und finde selten ein Thema welches es aus meiner Sicht dann Wert ist, ein Gespräch darüber aufzubauen. Deshalb kommt es selbst unter meinen engsten Vertrauten sehr selten dazu, dass ich ein Gespräch von mir aus beginne. Auf andere eingehen kann ich ganz gut. Jedoch bin ich auch sehr vorsichtig in meinen Aussagen. Wenn ich mich in etwas nicht sehr gut auskenne, habe ich das Gefühl zu dumm oder zu ungebildet zu sein als das meine Meinung dazu jetzt von Wert wäre. Ich staune häufig wie unbedacht manche einfach so drauf los plappern können.

    Außerdem fällt es mir sehr schwer mich bei Autoritäten und besonders dominanten Personen durchzusetzen. Lasse mich häufig zu schnell unterbuttern oder versuche es erst garnicht, da ich mich im Kopf schon selbst abwerte. Ich versuche stehts mich durch die Augen der anderen auf „Fehler“ und „Schwächen“ abzuscannen und habe dann Angst dadurch bloßgestellt zu werden. Außerdem will ich niemandem auch nur kleinste Umstände bereiten, da ich mich für nicht wichtig genug nehme.

    Enge Beziehungen aufzubauen und zu erhalten fällt durch das so geringe Selbstwertgefühl auch sehr schwer. Da es kaum zu glauben ist, dass jemand einen wirklich mag und sich für einen interessiert, wenn man sich selbst nicht leiden kann. Ich bin stehts voller Schuld und Scham Gefühle für meine ganzen Schwächen und nicht geschafften Dinge. So hab ich ständig das Gefühl etwas verstecken zu müssen, eine Maske zu tragen,  damit ich überhaupt akzeptiert werde. Diese Maske vor jemanden abzulegen ist extrem schwer. Sie taucht ganz automatisch auf und hindert mich daran, mich offen zu zeigen und so echte Nähe zulassen zu können. Dabei wünsche ich mir das eigentlich sehr. Doch immer habe ich im Hinterkopf, dass diese Person mich sicher verlässt, verspottet, mich als abstoßend oder belastend empfindet, wenn sie nur wüsste wie ich wirklich bin.

    Es braucht enorm viel zeit und immerwieder ein „auf mich zugehen“,  bis ich vertrauen fassen und glauben kann, dem anderen etwas zu bedeuten. Ansonsten gehe ich immer erstmal davon aus egal und nicht wichtig zu sein und nur zu stören oder mich sogar lächerlich zu machen,  wenn ich selbst auf die Person zugehe…