Antwort auf: Kontaktabbruch

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  • #10016

    Hallo Viola,

    ich stimme da enolA zu – durchaus wohl sehr typisch für ÄvPS. Allerdings hast du auch geschrieben, dass das Ganze nicht diagnostiziert ist. Kommt deine Vermutung bezüglich ÄvPS auf Grund dieser Erfahrung mit ihm jetzt oder aus der Erfahrung der 30 Jahre, die du ihn schon kennst? (Wobei, spielt vermutlich auch keine große Rolle)

    Ich habe viele Freundschaften damit letztendlich auslaufen lassen, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe. Zu dem Zeitpunkt war kein Rankommen an mich, ich hatte mich emotional von jedem abgekapselt und habe das, was ich noch zur Verfügung hatte, gebraucht, um irgendwie in meiner Partnerschaft zurecht zu kommen. Zu der Zeit war es niemandem möglich, mich zu erreichen. Und auch bis zum „Schluss“ konnte mich niemand erreichen. Mich konnte niemand „retten“, kann auch heute niemand. Das kann nur ich.

    Auch wenn es mir weh tut, dass ich z.B. meine beste Freundin dadurch verloren habe (und sie hat mir einige Chancen eingeräumt) – Verständnis sollte nur so weit gehen. Ich habe in den letzten Jahren mit meinem befreundeten Ehepaar sehr mühselig daran gearbeitet, dass ich direkt mit denen spreche. Es ist plump und beiläufig, z.B. werde ich gefragt, was ich so gemacht habe und ich antworte „dies das jenes Nervenzusammenbruch“ und dann wird mir die Freiheit gelassen zu entscheiden, ob ich das weiter ausführen möchte. Die beiden haben mit mir zusammen einen sicheren Rahmen erarbeitet, so dass ich mitteilen kann, was ich loswerden möchte. Allerdings weil ich darum gebeten habe. Und die beiden haben viel Verständnis, das weiß ich, dennoch haben sie ihre Grenzen und ihre Gefühle und die werden mir ebenso deutlich mitgeteilt. Ich bin den beiden dafür sehr dankbar, auch wenn das manchmal sehr unangenehm ist und manchmal Kleinigkeiten in mehrere Gespräche ausarten, weil ich in Gedankenspiralen verfalle.

    Was ich damit sagen möchte: Ich gebe zu Bedenken, dass auch du deine Grenzen und Gefühle hast. Und wenn dir das nicht gut tut, rate ich dir herauszufinden, wie weit du bereit bist, zu unterstützen, sollte er jemals bereit dafür sein. Es ist eine schmale Gradwanderung zwischen liebevoller Unterstützung und Missachtung der eigenen Grenzen oder auch dem Versuch jemanden retten zu wollen. Man spricht gerne von „bedingungsloser Liebe“ – ich bin der Meinung, dass das alleinestehend ein Trugschluss ist.

    Auch wenn ich persönlich nichts von der Institution „Kirche“ halte, mag ich den Leitfaden „Liebe deinen nächsten – so wie dich selbst“ sehr schön. Man kann und darf – auch bei jemandem der psychische Probleme hat – sagen „Hey, ich habe Verständnis für dich, doch hier ist meine Grenze. Solltest du mich jemals brauchen, werde ich innerhalb meiner Grenzen für dich da sein und dich unterstützen.“ Und ich denke, dass das auch etwas ist, das sehr wertvoll sein kann.