Antwort auf: Als ÄVPS-Betroffener unbewusst manipulieren

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    Hallo Casimir,

    das mit dem Lügen kenne ich nur zu gut. Manche Lügen (meine Oma würde jetzt liebevoll Notlügen dazu sagen, weil sie ja dem Selbstschutz dienen – wirklich, meine Oma in allen Ehren an der Stelle, ich finde sie da äußerst sanft) habe ich über Jahre hinweg aufrecht erhalten. Z.B. habe ich meine Ausbildung abgebrochen, dann ein Studium begonnen und abgebrochen. Beides abgebrochen wegen meiner psychischen Probleme (plus dazu mitten in einer missbräuchlichen Beziehung). Bei meiner Ausbildung habe ich schon gelogen, dass ich abgebrochen habe, weil ich lieber studieren möchte. Aber immerhin wusste man, dass ich das abgebrochen habe. Als ich dann auch das Studium abgebrochen habe, bzw. schon als es an fing wieder in die selbe Richtung zu gehen, habe ich dort mein wohl bis heute größtes Lügenkonstrukt aufgebaut – aus Scham und Angst. Ich hatte solche Angst, dass man mich dafür verurteilt. Wie könnten das andere auch nicht, wenn ich es doch selbst so sehr tat? Ich habe Kurse, Mitstudenten, Prüfungen und was weiß ich nicht alles erfunden. Und je tiefer ich da drin steckte, desto mehr begann ich mich zurück zu ziehen. Also, noch mehr als eh. Und, war ja auch nicht der einzige Bereich, wo ich aus Angst zurückgewiesen zu werden, gelogen haben. Je mehr lügen, desto mehr Scham, desto mehr Rückzug. Ich lüge nicht gerne, ich verurteile mich dafür, weil ich ja rein objektiv weiß, dass ich es nicht tun bräuchte. Also, in den meisten Fällen. Das Auflösen meiner „Selbstschutzlügen“ hat sich jedes Mal angefühlt wie ein Gang zum Scheiterhaufen. Die Reaktionen waren durchwachsen – niemand wird gerne angelogen.

    Ich beschreibe das immer gerne so; „Ich möchte nicht gesehen werden“, also, meine wahren Gedanken und Gefühle. Und über die Zeit – grade durch die Beziehung – hat sich Lügen als bewährtes Muster eingeschliffen, da in der Beziehung ein Rückzug nicht möglich war. Zumindest für mich „damals“ (so lange ist das Ende noch nicht her).

    Ich persönlich empfinde das wie meine Oma – Notlügen unterscheiden sich von Lügen, die man erzählt, um jemanden zu etwas zu bringen. Ich verstehe deine Angst an der Stelle. Mir fällt es schwer z.B. zu unterscheiden, wann ich „vermeide“ (also, Ausrede) oder wann etwas ein legitimer Grund ist. Ich hatte auch mal eine Zeit, wo ich geglaubt habe, dass alles was ich tue hochgradig manipulativ ist. Immerhin wurde mir das in meiner Beziehung immer wieder gesagt. Doch, ja, ich bleibe da bei dem, was meine Oma sagt: Es sind Notlügen, die nicht aus bösen Absichten heraus erzählt werden oder dem Zweck dienen, sich selbst zu bereichern (in welcher Form auch immer)

    Liebe Grüße

    Vaira