Was ist Psychoanalyse?

05.04.2021
Was ist Psychoanalyse?

Die Psychoanalyse ist sowohl eine Therapie als auch eine Theorie. Psychoanalyse wird häufig zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen eingesetzt.

Die Disziplin wurde in den frühen 1890er Jahren vom österreichischen Neurologen Sigmund Freud gegründet und stammt zum Teil aus der klinischen Arbeit von Josef Breuer und anderen.

Psychoanalyse als Therapie

In der Psychoanalyse (Therapie) liess Freud einen Patienten auf einer Couch liegen, um sich zu entspannen, und er sass hinter ihnen und machte sich Notizen, während sie ihm von ihren Träumen und Kindheitserinnerungen erzählten.

Bei diesem Ansatz wird davon ausgegangen, dass die Reduzierung der Symptome allein relativ unbedeutend ist, da der zugrunde liegende Konflikt nicht gelöst werden kann und neurotische Symptome einfach ersetzt werden.

Der Analytiker ist typischerweise ein „leeres Blatt“, das nur sehr wenig über sich preisgibt, damit man den Raum in der Beziehung nutzen kann, um an seinem Unbewussten zu arbeiten, ohne dass von aussen eingegriffen  wird.

Unbewusste Gedanken und Gefühle können in Form von Parapraxen, im Volksmund als Freudsche Versprecher bekannt, auf das Bewusstsein übertragen werden. Wir zeigen, was wirklich in unseren Gedanken ist, indem wir etwas sagen, was wir nicht wollten.

Freud glaubte, dass Versprecher einen Einblick in das Unbewusste gewähren und dass es keine Zufälle gibt, jedes Verhalten ist bedeutsam.

Psychoanalyse als Theorie

Die Entwicklung eines Menschen wird eher von (häufig vergessenen) Ereignissen in der frühen Kindheit bestimmt, als von ererbten Merkmalen allein. Das Verhalten und die Wahrnehmung des Menschen werden weitgehend von irrationalen Trieben bestimmt, die im Unbewussten verankert sind.

Die Psychoanalyse basiert auf der Theorie, dass unsere Gegenwart von unserer Vergangenheit geprägt ist. Wir sind uns oft nicht bewusst, wie sich Erfahrungen auf uns auswirken können. Schmerzhafte Gefühle können im Unterbewusstsein verbleiben und unsere aktuelle Stimmung und unser Verhalten beeinflussen und zu Problemen mit Selbstwertgefühl, Persönlichkeit, Beziehungen und Arbeit beitragen.

Der Versuch, diese Triebe ins Bewusstsein zu bringen, löst Widerstand in Form von Abwehrmechanismen aus. Weil wir uns dieser Kräfte nicht bewusst sind, helfen gängige „Problem-Lösungsmethoden“ – wie das Einholen von Ratschlägen bei Freunden und der Familie oder das Lesen von Selbsthilfebüchern – oft nicht weiter.

Die Psychoanalyse hilft einer Person, diese Einflüsse in den Griff zu bekommen, indem sie sie bis zu ihren Ursprüngen zurückverfolgt und ihre Entwicklung im Laufe der Zeit nachvollzieht. Dieses Bewusstsein bietet dem Menschen die Möglichkeit, konstruktiv mit den Auswirkungen dieser Einflüsse auf sein aktuelles Leben umzugehen.

Weitere Grundprinzipien der Psychoanalyse sind:

Konflikte zwischen Bewusstem und Unbewusstem können zu psychischen Störungen wie Neurosen, neurotischen Merkmalen, Angstzuständen und Depressionen führen.

Das Unbewusste kann in Träumen und unbeabsichtigten Handlungen gefunden werden, einschliesslich Manierismen und Versprecher;

Befreiung von den Wirkungen des Unbewussten wird erreicht, indem dieses durch therapeutische Intervention ins Bewusstsein gerückt wird.

Das „Herzstück des psychoanalytischen Prozesses“ ist die Übertragung, bei der man kindliche Konflikte durch Projektion auf den Analytiker nacherlebt.

In psychoanalytischen Sitzungen äussert man seine Gedanken, einschliesslich freier Assoziationen, Fantasien und Träume, aus denen der Analytiker die unbewussten Konflikte ableitet, die die Symptome und Charakterprobleme des Patienten verursachen. Durch die Analyse dieser Konflikte, einschliesslich der Interpretation der Übertragung und der Gegenübertragung der Gefühle des Analytikers für die Person, konfrontiert der Analytiker die pathologischen Abwehrkräfte der Person, um Einsicht zu gewinnen.

Nach der Psychoanalyse gibt das Unbewusste auf unterschiedliche Weise Hinweise auf die unbestätigte Bedeutung von Erfahrungen. Solche Hinweise können sein:

  • Sich wiederholendes Verhalten
  • Themen, über die die Person nur schwer sprechen kann
  • Träume
  • Tagträume

Offensichtliche Symptome werden durch latente (versteckte) Störungen verursacht. Typische Ursachen sind ungelöste Probleme während der Entwicklung oder unterdrückte Traumata.

Die Behandlung konzentriert sich darauf, den unterdrückten Konflikt ins Bewusstsein zu bringen, wo die Person damit umgehen kann.

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Psychologie allgemein

Ich bin keine Ärztin, keine Journalistin, keine Therapeutin, keine Anwältin. Ich bin Webpublisherin, Betroffene einer psychischen Erkrankung und mit einem unbelehrbaren Idealismus gesegnet (und manchmal auch gestraft).

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