Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

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Eine Persönlichkeitsstörung (PS) liegt dann vor, wenn ein Mensch auffällige Verhaltensweisen und Einstellungen zeigt, die ihn durch ihren Ausprägungsgrad und/oder ihr Zusammenspiel erheblich in seiner individuellen Zufriedenheit und im Erreichen seiner persönlichen Ziele einschränken oder aber, wenn er sich aufgrund dieser Eigenschaften so verhält, dass er häufig mit anderen Menschen oder mit der Gesellschaft in Konflikt gerät.

Es ist wesentlich, Persönlichkeitsstörungen als extreme Ausprägungen „normaler“ psychologischer Prozesse aufzufassen, die den betreffenden Personen so hohe Kosten erzeugen, dass eine Psychotherapie sinnvoll ist.

Sachse, Rainer. Persönlichkeitsstörungen (German Edition) (S.2). Hogrefe Verlag. Kindle-Version.

Menschen können also durchaus einen bestimmten Persönlichkeitsstil haben, also beispielsweise eine deutliche Tendenz zu typisch narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen. Sofern daraus jedoch für die Person und ihr Umfeld keine untragbaren, negativen Konsequenzen (Kosten) resultieren, liegt keine Persönlichkeitsstörung vor!

Personen mit einem leichten Stil weisen Charakteristika einer psychologischen Einheit in leichter Ausprägung auf und Personen mit einer schweren Störung weisen diese Charakteristika in einer massiven Ausprägung auf.

Sachse, Rainer. Persönlichkeitsstörungen (German Edition) (S.3). Hogrefe Verlag. Kindle-Version.

Ursachen einer Persönlichkeitsstörung

Angesichts von vernachlässigenden und traumatisierenden Bedingungen, die ihre Entwicklung bestimmt und beeinträchtigt haben, haben die Patienten seelische und interpersonelle Strategien entwickelt, die es ihnen ermöglicht haben, mit den beeinträchtigenden Umständen und den oft chronisch traumatisierenden Beziehungen, unter denen sie aufgewachsen sind, fertig zu werden.

Die gleichen Mittel und Wege, mit denen sie ihr psychosoziales und manchmal auch ihr physisches Überleben in der Vergangenheit sichern konnten, haben aber auch dazu geführt, dass ihnen psychische Funktionen, die Autonomie gewährleisten und interpersonelle, auf Reziprozität ausgerichtete Beziehungen ermöglichen würden, nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

Die Persönlichkeitsstruktur der Patienten ist gleichsam ein Dokument für ihre Anpassung an und die Bewältigung von deprivierenden Verhältnissen, unter denen sie vor dem Hintergrund je unterschiedlicher individueller und biologischer Bedingungen aufgewachsen sind. Sie trägt die Spuren der Geschichte jener Mittel und Wege in sich, mit denen die Patienten ihr psychosoziales Gleichgewicht wenigstens so weit haben stabilisieren können, dass äussere Realitätsanforderungen ausreichend bewältigt werden konnten.

Quelle: Ulrich Streeck: Psychotherapie komplexer Persönlichkeitsstörungen – Grundlagen der psychoanalytisch-interaktionellen Methode

Persönlichkeitsstörung im DSM-5

Im DSM-5 sind das die Folgenden:

  • Ein überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten, das merklich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweicht. Dieses Muster manifestiert sich in mindestens zwei der folgenden Bereiche:
  1. Kognition (d. h. die Art, sich selbst, andere Menschen und Ereignisse wahrzunehmen und zu interpretieren),
  2. Affektivität (d. h. die Variationsbreite, Intensität, Labilität und Angemessenheit emotionaler Reaktionen),
  3. Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen.
  4. Impulskontrolle.
  • Das überdauernde Muster führt in klinisch bedeutsamer Weise zu Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
  • Das Muster ist stabil und lang andauernd, und sein Beginn ist mindestens bis in die Adoleszenz oder ins frühe Erwachsenenalter zurückzuverfolgen.
  • Das überdauernde Muster lässt sich nicht besser als Manifestation oder Folge einer anderen psychischen Störung erklären.
  • Das überdauernde Muster ist nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors (z. B. Hirnverletzung).
  • Das überdauernde Muster ist unflexibel und tiefgreifend in einem weiten Bereich persönlicher und sozialer Situationen.

Persönlichkeitsstörung im ICD-10

In den Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen gelten folgende allgemeine Kriterien für Persönlichkeitsstörungen:

  • Klinisch wichtige, meist länger anhaltende Zustandsbilder und Verhaltensmuster.
  • Ausdruck des charakteristischen, individuellen Lebensstils, des Verhältnisses zur eigenen Person und zu anderen Menschen.
  • Tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen.
  • Deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in den Beziehungen zu anderen.
  • Verhaltensmuster meistens stabil und beziehen sich auf vielfältige Bereiche des Verhaltens und der psychologischen Funktionen.
  • Meist persönliches Leiden und gestörte soziale Funktionsfähigkeit.

Externe Beiträge

MSD Manuals: Persönlichkeitsstörungen im Überblick

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