Psychische Gewalt: Drohen

07.07.2020
Drohen Drohung Verhalten

Viele Betroffene einer Persönlichkeitsstörung sind Meister im Androhen von destruktiven Konsequenzen oder Handlungen. Manchmal sind Drohungen spezifisch und detailliert. Manchmal sind sie vage und allgemein. Einige Bedrohungen sind absichtlich vage, aber suggestiv genug, um den Angehörigen aufzufordern, sich eine Reihe möglicher negativer Ergebnisse vorzustellen. Der Grund für eine Drohung ist meist, dass derjenige eine Antwort provozieren möchte.

Drohungen sind verbale Misshandlung und somit eine Form psychischer Gewalt!

So wird eine Situation geschaffen, in der es keine Gewinner geben kann, da der Bedrohte meist nicht in der Lage ist, das angebliche Problem zu beheben. Manchmal handelt es sich bei dem Problem um ein vergangenes Ereignis, das nicht mehr geändert werden kann, oder sogar um etwas, das nur im Kopf des PS-Betroffenen real ist.

Auf Drohen greifen freilich nicht nur PS-Betroffene zurück. Manchmal versuchen auch Angehörige mit Drohen die Kontrolle zurückzuerlangen. Zum Beispiel indem sie drohen, zu gehen.


Beispiele für typische Drohungen

  • Wenn du mich verlässt, bringe ich mich um.
  • Ich werde dir nie verzeihen, was du getan hast.
  • Ich werde alle wissen lassen, was für ein Mensch du bist.
  • Das wird dir noch leid tun.
  • Vielleicht wäre dein Leben besser, wenn ich nicht mehr da wäre.
  • Ich verlasse dich.

Drohen und Grenzen setzen: Der Unterschied

Es gibt einige deutliche Unterschiede zwischen Drohen und Grenzen setzen:

  • Drohungen sind unangemessen und destruktiv. Grenzen setzen ist angemessen und konstruktiv.
  • Drohungen sind Bluffs. Eine Grenze setzen ist eine Verpflichtung – ein Versprechen, sich selbst zu schützen, das auch eingehalten werden muss, selbst wenn das weh tut.
  • Wer Grenzen setzt strebt das beste und das positivste Ergebnis für alle Beteiligten an. Wer droht will seine Interessen auf Kosten der Gegenpartei durchsetzen.
  • Drohungen sind oft impulsive Reaktion auf eine bestimmte Situation. Gesetzte Grenzen werden im Voraus durchdacht, sind langfristig und ändern sich selten.
  • Wer droht, versucht die Entscheidung des anderen zu kontrollieren. Beim Grenzen setzen geht es darum, die Kontrolle über die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.

Wie es sich anfühlt

Häufig wird gedroht, um im Angehörigen Angst, Verpflichtungsgefühle und Schuldgefühle hervorzurufen und sie so kontrollierbar zu machen:

Angst – die eigene Sicherheit liegt in den Händen einer anderen Person, die bereit ist, destruktiv zu handeln.

Verpflichtung – Wenn Du dieser Person nicht das gibst, was sie will, wirst du teuer und schmerzhaft dafür bezahlen.

Schuld – Du bind dafür verantwortlich, dass Dein PS-Betroffener Angehöriger dieses Problem hat, unabhängig davon, wer oder was wirklich schuld ist.


Mit Drohungen umgehen

Du kannst meist nicht wissen, ob du eine Drohung ernst nehmen kannst und musst oder ob es sich dabei nur um eine leere Drohung handelt. Es ist schlicht nicht möglich, mit Sicherheit zu erkennen, was in den Gedanken einer anderen Person vor sich geht. Dies gilt umso mehr für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen. Personen mit Persönlichkeitsstörungen erleben häufig schnelle Veränderungen in Stimmung und Gefühlen und reagieren manchmal heftig darauf, unabhängig davon, was für Dir vorhersehbar oder logisch erscheint. Darüber hinaus wird jeder Versuch, in ihren Kopf zu gelangen, wahrscheinlich nach hinten losgehen.

Daher ist der einzig wirksame Weg, mit einer Bedrohung umzugehen, sie jedes Mal ernst zu nehmen.

  • Wenn jemand mit Gewalt droht, rufst Du die Polizei.
  • Wenn jemand droht, sich selbst zu töten oder die Kinder zu entführen, rufst Du die Polizei.
  • Wenn jemand droht, das Familienbudget unangemessen auszugeben, verschiebst Du das Geld auf ein privates Konto.
  • Wenn jemand droht, Dich bei Deinem Arbeitgeber zu verleumden, informierst Du Deine Vorgesetzten.
  • Wenn jemand mit Scheidung droht, informierst Du Deine Freunde und Familie an und beginnst Dein Leben als Single zu planen.

Drohungen ernst zu nehmen, unabhängig davon, ob es leere oder ernstgemeinte Drohungen sind, hat folgende positive Auswirkungen:

  • Es schützt Dich vor möglichen Schäden und führt sofort zu Hilfe und Unterstützung von aussen.
  • Es schützt Kinder und andere Angehörige.
  • Es informiert externe Behörden schnell und verringert die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Eskalation oder Tragödie.
  • Es zeigt der Person, die droht, dass Du ihre Worte ernst nimmst und dass sie für das, was sie sagt, zur Rechenschaft gezogen wird.
  • Es beendet die Diskussion.

Wenn Du bedroht wirst


Was Du NICHT tun solltest

Wenn eine Person Dich, sich selbst oder andere bedroht:

  • Die Drohung ignorieren oder herunterspielen. Nimm das ernst!
  • Streiten oder sich rächen.
  • Versuchen Gedanken zu lesen oder zu interpretieren was in der Person die Dich bedroht wirklich vorgeht.
  • Die Diskussion nach der Drohung fortsetzen.
  • Deine Handlungen erklären oder lange Begründungen für Deine Haltung abgeben. Es wird später reichlich Gelegenheit geben, dies zu einem angemessenen Zeitpunkt zu tun.
  • Im selben Raum bleiben. Falls du alleine mit der Person bist, die Dich bedroht, weggehen.
  • Dir Sorgen darüber machen, was andere Leute denken oder Dich fragen, ob Du gerade überreagierst. Du kannst das später analysieren.

Was Du tun kannst und solltest

  • Nimm das ernst!
  • Wenn Du verbal bedroht wirst, solltest Du das Gespräch umgehend beenden.
  • Auf schriftliche Drohungen (WhatsApp, Mail und ähnliches) auf keinen Fall antworten!
  • Wende Dich an die örtlichen Behörden (Polizei), wenn Dir Gewalt oder Schaden angedroht wurde.
  • Entferne Dich und alle Kinder von dem Angehörigen der droht (Wohnung verlassen).

Wikipedia: Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt: Wie sich Betroffene schützen

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Gewalterfahrungen

Ich bin keine Ärztin, keine Journalistin, keine Therapeutin, keine Anwältin. Ich bin Webpublisherin, Betroffene einer psychischen Erkrankung und mit einem unbelehrbaren Idealismus gesegnet (und manchmal auch gestraft).

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