Depressionen und Suchterkrankungen

Depressionen und Suchterkrankungen

Wie hängen Depression und Sucht zusammen?

Ca. 25% der Bevölkerung erleben in einem Jahr Depressions- oder Angstzustände. Neuropsychiatrische Störungen machen 19,5% der Krankheitslast in der Europäischen Region aus und innerhalb der Europäischen Union (EU) sogar 26%.

Es wird geschätzt, dass mehr als 1 von 4 Erwachsenen mit erheblichen psychischen Gesundheitsproblemen auch ein Problem mit Substanz-Missbrauch hat. Stimmungsstörungen und Sucht sind oft komorbid, was bedeutet, dass sie zusammen auftreten.

Depression

Depression ist mehr als nur traurig zu sein. Es ist eine psychische Erkrankung, die behandelt werden muss. Wenn du eine traurige oder „niedergeschlagene“ Stimmung erlebst, die ungewöhnlich lange anhält und deine Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigt, könnte dies eine Depression sein.

Was sind Depressionen?

Depressionen sind eine ernsthafte Erkrankung, die sich negativ darauf auswirkt, wie man sich fühlt, wie und was man denkt und wie man handelt.

Symptome

Symptome einer Depression können bei jedem Mensch unterschiedlich aussehen. Diese Beschwerden müssen während mindestens zwei Wochen auftreten und den Alltag merklich beinträchtigen um an eine depressive Erkrankung zu denken. Zu den Symptomen können gehören:

  • Anhaltende traurige oder ängstliche Stimmung
  • Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, innere Anspannung
  • Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen
  • Morgens viel zu früh Aufwachen oder ungewöhnlich langes Schlafen
  • Verlust des Interesses an zuvor geliebten Aktivitäten
  • Körperliche Beschwerden, die durch keine Behandlung besser werden
  • Probleme, sich zu konzentrieren, sich zu erinnern oder Entscheidungen zu treffen
  • Sich schuldig, wertlos oder hilflos fühlen
  • Müdigkeit, auch nach dem Schlafen
  • Gedanken an Selbstmord oder Selbstverletzung

Depressionen: Typen

Unter dem Überbegriff «Depression» gibt es verschiedene Arten der Störung. Die «schwere depressive Störung» ist die «klassische» Depression, an die die meisten Menschen als erstes denken.

Depressionen können umfassen:

Dysthymie: Auch «anhaltende depressive Störung» genannt. Dabei handelt es sich um eine depressive Verstimmung, die mindestens zwei Jahre anhält. Perioden mit milderen und schweren Symptomen können sich dabei auch abwechseln

Wochenbettdepression: Eine schwere Depression während der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Eine Wochenbettdepression kann die Pflege für sich und das Neugeborene erschweren bis verunmöglichen.

Psychotische Depression: Dies ist, wie die Bezeichnung leicht vermuten lässt, wenn eine schwere Depression mit einer Psychose kombiniert auftritt.

Saisonale affektive Störung: Die Depression tritt im Winter mit weniger Sonnenlicht auf und wird typischerweise mit dem Frühling und längeren Tagen besser.

Bipolare Störung: Dies ist eine andere Störung, bei der sich depressive Episoden mit manischen abwechseln.

Depressionen und Sucht

Depressionen (und andere psychische Störungen) und Sucht können oft zusammen auftreten.

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Was kommt zuerst?

Ob man zuerst an einer Depression oder einer Sucht erkrankt, lässt sich nicht verallgemeinern. Beides ist möglich und auch ein gleichzeitiges Auftreten ist möglich. Psychische Erkrankungen sind oft sehr individuell und werden von vielen Faktoren (Persönlichkeit, Lebensumstände, Vorbelastungen, genetische Disposition …) beeinflusst.

Einige Menschen greifen zu Substanzen, um mit emotionalen Schmerzen fertig zu werden. Andere entwickeln Depressionen aufgrund der neurologischen Auswirkungen des Drogenmissbrauchs Fakt bleibt: Mehr als 1 von 4 Erwachsenen mit erheblichen psychischen Störungen hat auch ein Problem mit Drogenmissbrauch.

Bestimmte Medikamente können Symptome von Depressionen verursachen. Andere Menschen mit einer psychischen Erkrankung missbrauchen Substanzen zur Selbstmedikation. Stimmungsstörungen und Sucht haben auch gemeinsame Facetten zugrunde liegender Ursachen, wie:

  • Veränderungen im Gehirn
  • Erfahrene Traumata
  • Genetische Veranlagung

Welche Drogen nehmen Menschen mit Depressionen?

Häufige Substanzen, die von Menschen mit Depressionen missbraucht werden, sind:

  • Alkohol (am häufigsten)
  • THC (Cannabis, Marihuana)
  • MDMA (Ecstasy)
  • Amphetamine (Crystal Meth, Methamphetamin, Kokain)
  • Verschreibungspflichtige Medikamente (Benzodiazepine)
  • Synthetische Stimulanzien (LSD)

Symptome von Drogenmissbrauch

Symptome eines Drogenproblems können sein:

  • Änderungen bei der Anwesenheit und/oder Leistung am Arbeitsplatz oder in der Schule
  • Mehr Ärger bekommen
  • Plötzliche Stimmungsschwankungen
  • Verwendung von Substanzen in gefährlichen Situationen wie Autofahren
  • Veränderungen im Ess- oder Schlafverhalten
  • Unerklärliche Veränderungen in der Persönlichkeit oder im Verhalten
  • Rückgang der Motivation
  • Ohne ersichtlichen Grund ängstlich, paranoid, schwindelig oder hyperaktiv sein
  • Gewichtsverlust / Gewichtszunahme
  • Unerklärliche Veränderung bei Freunden oder Hobbys
  • Unerklärlicher Geldbedarf
  • Fortgesetzter Substanzkonsum trotz negativer Folgen

Behandlung

Es gibt Behandlungen für Depressionen, für Drogenmissbrauch und für beides gleichzeitig.

Verschiedene Aspekte der Behandlung überschneiden sich oft. Die Behandlung kann auch von Person zu Person unterschiedlich sein – es gibt keine „Standard“-Behandlung, und die Methoden können je nach den Bedürfnissen der Person variieren.

Die Behandlung von Depressionen kann umfassen:

  • Medikamente wie Antidepressiva
  • Psychotherapie
  • Elektrokrampftherapie (EKT)

Die Behandlung von Drogenmissbrauch kann umfassen:

  • Verhaltensberatung
  • Medikation
  • Abklärung und Behandlung bei psychischen Problemen
  • Behandlung von Entzugserscheinungen
  • Langfristiger Nachsorgeplan zur Verringerung des Rückfallrisikos

Bewältigungsstrategien

Wenn du entweder mit Depressionen, Drogenmissbrauch oder beidem lebst, befindest du dich in einer schwierigen Situation. Du bist jedoch nicht alleine. Hol dir unbedingt Unterstützung und Hilfe!

Einige praktische Dinge, die du tun kannst, sind:

  • Selbsthilfegruppen: Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker, Selbsthilfegruppen für Menschen mit Depressionen, Angststörungen und vieles mehr. Google, dein Hausarzt oder gemeinnützige Beratungsstellen können dir helfen, diese zu finden.
  • Isoliere dich nicht: Finde Menschen, die dich auf deinem Genesungsweg unterstützen. Das können Freunde, Familienmitglieder, Nachbarn oder sogar Arbeitgeber und Arbeitskollegen sein.
  • Versuche aktiv zu bleiben: Bewegung kann helfen, die Symptome einer Depression zu lindern. Es muss kein Besuch in Fitness-Studio oder Joggen sein. Ein kleiner Spaziergang um den Block ist schon viel, wenn man an einer Depression oder Suchterkrankung leidet.
  • Sei wohlwollend und freundlich zu dir. Du bist krank und nicht dafür kannst du nichts. Genesung ist möglich, sie braucht jedoch Zeit und bei den meisten Menschen auch ernsthafte Unterstützung von anderen.
Siehe auch  Komorbidität: ÄVPS kommt selten allein

Wann du unbedingt ärztliche oder therapeutische Unterstützung brauchst

Wenn dein Leben vollkommen aus der Bahn gerät und dir einfach alles entgleitet, dann ruf bitte unbedingt deinen Arzt an. Erkläre kurz, was los ist; mindestens so viel, dass deutlich wird, wie wichtig es ist. Viele Menschen schämen sich, ihren Hausarzt auf psychische oder Suchtprobleme anzusprechen. Wenn das bei dir der Fall ist, dann wechsle den Arzt.

Gerade bei Suchtproblemen fürchten viele Betroffene eine Stigmatisierung, wenn Sie in ihrer Hausarztpraxis von ihrem Drogen- oder Alkoholkonsum reden. Leider oft nicht ganz zu unrecht. Ist der Hausarzt erst einmal im Bilde, kann es sein, dass man bei allen künftigen Besuchen nur noch auf sein Suchtproblem reduziert wird und Beschwerden nicht mehr ernst genommen werden.

Obwohl das passieren kann, sollte man es trotzdem riskieren. Viele Hausärzte sind durchaus in der Lage, suchtkranke Menschen respektvoll und wertungsfrei gesundheitlich zu versorgen. Dies ist der Optimalfall, weil der Hausarzt so all deine Behandlungen unter Berücksichtigung deiner Suchterkrankung durchführen kann. Das ist zum Beispiel von entscheidender Wichtigkeit, bei der Medikation, da viele «klassische Medikamente» zusammen mit anderen Substanzen (Alkohol, Drogen) nicht oder ganz anders wirken.

Falls du das Gespräch mit einem Allgemeinmediziner trotzdem lieber meiden möchtest, findest du mit Google Suchtberatungsstellen in deiner Region, die dir helfen können.

Hauptsache ist: Bleib nicht allein! Suche dir Unterstützung. Du brauchst und verdienst Hilfe.

Zusammenfassung

Depressionen und Drogenmissbrauch treten oft gemeinsam auf, aufgrund von Selbstmedikation, gemeinsamen Ursachen oder sie entwickeln sich eins nach dem anderen.

Anzeichen können sein:

  • Das Interesse an Dingen verlieren, die einem früher Freude bereitet haben
  • Unerklärliche Veränderungen beim Essen oder Schlafen
  • Veränderungen in der Persönlichkeit und im Verhalten

Es gibt Behandlungen, und viele Behandlungspläne zielen darauf ab, sowohl Stimmungsstörungen als auch Sucht zu behandeln.

Ein Wort von Trixi

Depressionen und Drogenmissbrauch sind beide für sich genommen schon eine Herausforderung. Wenn man mit beidem leben muss, vervielfachen sich die Schwierigkeiten.

Ich habe praktisch mein ganzes Leben mit Depressionen zu kämpfen. Ich erinnere mich nur an ganz wenige Jahre ohne eine Episode. Trotzdem habe ich lange gebraucht um wirklich zu verstehen und zu glauben, dass es sich dabei um eine Krankheit handelt. Bei meinen ersten Krankheitsepisoden habe ich geglaubt, ich sei einfach nur schwach, faul, unfähig, dumm.

Siehe auch  Soziale Phobie: 50 erprobte Selbsthilfe-Tipps

Da ich gleichzeitig seit meiner Kindheit mit einer ängstlich-vermeidenden und abhängigen Persönlichkeit zu kämpfen habe, war ich meistens allein. Das klassische Szenario bei dem man über den Freundeskreis in Kontakt mit Drogen kommt, ist so immerhin an mir vorbeigezogen.

Über einen Partner habe ich irgendwann Mitte Zwanzig mit dem Kiffen angefangen und habe danach THC viele Jahre lang konsumiert. Bis heute mag ich die Substanz nicht wirklich verteufeln. Ein Joint hin und wieder schadet wohl den wenigsten. Ich sehe jedoch heute, dass ich oft exzessiv konsumiert habe (Joint zum Frühstück) habe und dies negative Konsequenzen für mich hatte. Gerade wenn man schon von einer Depression niedergedrückt und ausgebremst wird, macht Cannabis-Lethargie alles nur noch schlimmer. Es gilt hier also objektiv zwischen Genuss und Sucht zu unterscheiden.

Gleiches gilt für das andere Suchtproblem, welches ich gut aus persönlicher Erfahrung kenne: Alkohol. Ich gehöre zu dem Typus, den man im Volksmund auch schlicht «Quartalsäufer» nennt. Ich habe in meinem Leben immer wieder regelrechte Sauf-Exzesse veranstaltet. Das bedeutet, dass Alkohol in meinen Alltag keine Rolle spielt, denn wenn ich mal anfange zu trinken, dann höre ich nicht auf bis ich «ausgeknipst» bin.

Nachdem ich etwa Mitte meiner Dreissiger anfing, Erinnerungslücken («Filmrisse») zu haben, habe ich eine Suchtberatungsstelle aufgesucht. Mir hat der Schock gereicht, als ich zum ersten Mal in meinen Kontoauszügen den Beweis gefunden habe, dass ich unterwegs war, mich aber an nichts mehr davon erinnern konnte. Ein wirklich gruseliges Gefühl.

Ich bin heute mit therapeutischer Unterstützung soweit, dass ich zwar immer noch manchmal Alkohol nutze, um mich mal ein paar Stunden lang auszuknipsen. Aber es bleibt dann bei einer Flasche Rotwein am Abend und das durchschnittlich alle 6-8 Wochen mal. Ich habe die Kontrolle und beabsichtige sie zu behalten. Alkohol ist meiner Meinung nach das gefährlichste Suchtmittel überhaupt.

Du hast Fragen zum Thema oder persönliche an mich? Schreibe am Ende der Seite einen Kommentar. Du darfst mich auch jederzeit gerne per E-Mail kontaktieren. Ich brauche manchmal ein paar Tage bis ich antworte, tue es jedoch auf jeden Fall. Wenn Du Mut und Lust hast, deine Erfahrungen mit dem Thema oder deine Geschichte zu teilen, dann freue ich mich auf deinen Beitrag im Forum.

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